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Bewertung im Internet - Patienten sollen ihren Arzt benoten

Bildquelle: Andreas Morlok/pixelio, änd Archiv
Schöne neue Internetwelt: Wenn Sie einen Arzt einer bestimmten Fachrichtung oder an einem bestimmten Ort suchen, soll bald ein „Arzt-Navigator“ helfen – zumindest, wenn Sie einer von 25 Millionen AOK-Versicherten sind. Doch der Navigator wird kein reines Verzeichnis: Patienten sollen ihre Ärzte im Internet bewerten. Das Bewertungsportal ruft aber viele Kritiker auf den Plan – und Ärzte, die nun mit einem Kassenbewertungsportal zurückschlagen. Das passt den Kassen aber gar nicht. 

Noch steckt das System in den Kinderschuhen: Die AOK entwickelt derzeit Bewertungskriterien, Wissenschaftler und Ärzte unterstützen die Kasse dabei. Die Patienten sollen später beurteilen, wie gut oder schlecht der Service in der Praxis ist und ob der Arzt sie gut und richtig behandelt hat.

Ein schwieriges Unterfangen, urteilen Kritiker. „Der Patient ist nur selten in der Lage, eine ärztliche Leistung objektiv zu beurteilen. Er weiß, ob er sich wohlfühlt, besser oder schlechter fühlt“, sagt Prof. Kuno Winn, Vorsitzender des Ärzteverbandes Hartmannbund. Dieses Gefühl könnten Patienten aber nur selten mit einer bestimmten Leistung ihres Arztes in Verbindung bringen. Winn bezweifelt, dass die AOK klare und vor allem objektive Kriterien für eine Ärztebewertung findet.

Auch aus den Reihen der Zahnärzte kommt Kritik: „Eine zahnärztliche Behandlung ist keine Ware, deren Qualität man im Internet beurteilen kann“, sagt Dr. Janusz Rat, Vorsitzender von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns. Gutachter stellten bereits allerorten die hohe Qualität der Behandlung sicher. Ärztebewertungsportale seien weder objektiv noch repräsentativ oder manipulationssicher. „Im Gegensatz zu professionellen Qualitätssicherungsverfahren hat der im Internet anonym bewertete Arzt keine Möglichkeit, auf unberechtigte Kritik zu reagieren und Missverständnisse auszuräumen“, bemängelt Bundesärztekammerpräsident Prof. Jörg-Dietrich Hoppe.

Zufriedene Patienten nutzen solche Portale in der Regel sowieso nicht, ergänzt der Bayerische Hausärzteverband in einer Stellungnahme. Der Verband befürchtet, dass das Portal enttäuschten Patienten dazu dient, ihren Arzt zu diffamieren. Die anonyme Bewertung öffne Missbrauch Tür und Tor.

Dass solche Portale nicht manipulationssicher sind, hat sich schon vor einigen Jahren gezeigt, als das Portal „Topmedic“ gestartet ist. Dort können die Nutzer bereits Ärzte bewerten und weiterempfehlen. Ein bayerischer Urologe hat seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Portal gemacht: „Wer Zeit und Lust hat, kann beliebig viele positive Bewertungen für sich, seine Freunde und Kollegen abgeben. Die sogenannten Sicherheitsmaßnahmen von Topmedic, großmundig angekündigt, scheinen mehr auf dem Papier zu existieren und der Beweisführung vor Gericht zu dienen, dass die Firma rechtmäßig handelt.“ In der Vergangenheit habe jeder ungeprüft einfach alles bewerten und angeben können. „Nur leider wird das nicht öffentlich publiziert.“ Bei den Nutzern entstehe der Eindruck von Objektivität und geprüfter sachlicher Information.

Die deutschen Fachärzte müssen sich allerdings nicht vor einer Bewertung fürchten, glaubt der Vorsitzende des Deutschen Facharztverbandes, Dr. Thomas Scharmann. Die Qualität der fachärztlichen Leistung stimme. Ob aber auch die Leistung stimme, die die Kassen ihren Versicherten zugestehen, sei fraglich. Für eine gute Qualität ihres Portals müsse die AOK nicht nur viel Gehirnschmalz investieren – die Entwicklung koste auch eine Menge Geld. „Gut zu wissen, dass die Kassen dafür Geld haben“, sagt Scharmann. An anderen Stellen dagegen sparten die Kassen.  Die Fachärzte müssten selbst sehen, wie sie die gute Behandlungsqualität für ihre Patienten sicherstellen. Scharmann erwartet nicht viel von dem neuen Portal: „Schon zu viele dieser Bewertungsportale dümpeln im Netz herum oder haben bereits Schiffbruch erlitten.“

Was für Ärzte gilt, müssen auch die Krankenkassen in Kauf nehmen, hat sich unterdessen Dr. Norbert Scholz  gedacht. Gemeinsam mit zwei Partnern hat der Krefelder Allgemeinmediziner den Gegenentwurf „krankenkassenbewertung.net“ ins Leben gerufen. Lange, bevor die AOK mit ihrem Portal an den Start geht – 2010 soll es losgehen – können Ärzte, Versicherte und Angehörige bereits ihre Krankenkassen bewerten. „Wir wollen nicht die Kassen niedermachen“, erklärt Scholz. „Die Patienten sollen auch schreiben,  wo sie gut behandelt werden.“  

Aber auch die negativen Erfahrungen sollen ein Teil des Portals sein – unqualifizierte Auskünfte der Kassen, unfreundliche Mitarbeiter oder ob die Kasse eine Behandlung nicht bezahlt. Den Krankenversicherungen passt die Kritik an ihrer Arbeit allerdings überhaupt nicht. Erste Kassen drohten dem Portal von Dr. Norbert Scholz bereits mit rechtlichen Schritten.

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Do, 05.11.2009 12:24 / Barbara Kriesten / Oktober-Dezember 2009 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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