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| Sparmedizin in Deutschland - Das Märchen vom Bäcker und der Rabattsemmel |
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Lieber Leser, in dieser Geschichte wird es um eine Bäckerei gehen. Die Bäcker der Republik mögen mir deshalb nicht böse sein. Der Handlungsort ist nur gewählt, um die Geschichte für alle verständlich und eindrücklich zu gestalten, weil eine Bäckerei von den Bürgern häufiger aufgesucht wird und uns mit grundsätzlichen Gütern versorgt.
Es war einmal eine kleine Bäckerei. Der Bäcker war ein normaler Bäckermeister, der seine Arbeit solide ausführte und einige Jahre Ausbildung hinter sich hatte. Während seiner Lehrzeit hatte er auch längere Zeit ohne Bezahlung gearbeitet, was für seinen Berufsstand ja selbstverständlich war. Als er dann die Bäckerei eröffnete, musste er einige Kredite aufnehmen, um die Einrichtung und die Öfen zu kaufen.
Er hatte nicht nur die Herstellung „normaler“ Backwaren erlernt, sondern sich auch andere Backtechniken und Wissen über weitere Backwaren angeeignet und freute sich darüber, dies auch anzubieten. Auch eine gute Ernährung der Bevölkerung lag ihm von Anfang an am Herzen und so wollte er auch gesundheitsfördernde Backwaren anbieten.
Gesagt, getan. Er eröffnete seine Bäckerei. Da er viel arbeitete und oft bis in die Abend- und Nachtstunden, sprach es sich bald herum, dass er ein guter Bäcker war. Besonders schön war es, dass er sich beim Backen oft Zeit ließ und den Kunden genau erläuterte, wie seine Produkte schmeckten.
Durch die Bäckereiinnung war er verpflichtet, teilweise auch am Wochenende oder nachts zu backen. Zudem brachte er Backwaren auch nach Hause, wenn die Kunden nicht gut zu Fuß waren. Er musste übrigens Mitglied in der Innung sein, wenn er Semmeln und Brezeln verkaufen wollte. Manche Bäcker, die nicht in der Innung waren, verkauften nur Croissants, aber davon konnte man ja nicht die Bevölkerung ernähren. Unser Bäcker wollte aber gerne allen Kunden auch Semmeln und Brezeln anbieten. Am Ende des Tages konnte er von den verkauften Backwaren seine Mitarbeiter, seine Miete und die Zinsen für die Schulden bezahlen und deshalb machte ihm seine Arbeit Spaß.
Dann aber begannen sich die Dinge zu ändern, denn unsere Geschichte ist doch viel zu schön, um glaubhaft zu sein, oder? Zuerst wurde eine Regelung eingeführt, dass der Bäcker ab jetzt beim Verkaufen einer Semmel ein bestimmtes Formular ausfüllen musste. Bald wurde ein solches auch für den Verkauf einer Brezel notwendig. Mit der Zeit wurden es immer mehr Formulare, sodass der Bäcker fast immer seine Tätigkeit genau aufschreiben musste.
Als er sich daran gewöhnt hatte, hatten die Regierung und die Bäckereiinnung eine neue Idee: Da die Leute immer mehr Semmeln und Brezeln zu sich nahmen, reichte das Mehl nicht mehr. Deshalb wurde beschlossen, dass jeder Bürger nur noch Anspruch auf zwei Semmeln und eine Brezel pro Tag hatte. Der Bäcker zuckte ratlos die Achseln und versuchte, das seinen Kunden zu erklären. „Ich muss das machen!“, sagte er, und die Kunden begannen, sich daran zu gewöhnen. Nicht zuletzt deshalb, weil der Bäcker den meisten unter der Theke heimlich noch eine dritte Semmel oder irgendein anderes Backstück zuschob.
Noch konnte er seine Backwaren bezahlen und blickte verständnislos auf die Kollegen, die nur Croissants herstellten. Allerdings versuchte er, die Verluste an Mehl durch eine größere Anzahl an Croissants, die nicht reglementiert waren, aufzufangen, was ihm auch ganz gut gelang. Bis zu jenen Tag, an dem die Regierung und die Innung erneut eine Idee hatten: Die Brezel sollten jetzt in den zwei Semmeln enthalten sein! Wie sollte das gehen, fragte sich der Bäcker, und auch die Kunden wunderten sich, wo ihre Brezel geblieben war. „Die ist in den Semmeln drin!“, sagte unser Bäcker und schob weiterhin (aber immer seltener, da das Mehl nicht mehr wurde) noch eine echte Brezel unter der Theke durch.
Es sollte aber noch weiter gehen: Bislang hatte der Bäcker jeweils verschiedene Arten von Semmeln anbieten können. Jeder Kunde bekam „seine“ Semmel und war auch daran gewöhnt. Jetzt wurden seltsame „Rabattverträge“ abgeschlossen: Plötzlich, auch wenn der Bäcker für einen alten, gebrechlichen Kunden eine Körnersemmel hervorholte, verwandelte diese sich per Vertrag in eine weiße Kaisersemmel. Der Kunde beschwerte sich darüber, aber unser Bäcker musste sagen: „Diese Semmel braucht weniger Mehl und ist aber genauso gut!“ Das schmerzte ihn, denn er wusste, dass die Semmel zwar ähnlich schmeckte, aber doch nicht genau gleich.
Dann kam eine neue Idee der Innung: Die beiden Semmeln (inklusive der ja unsichtbar enthaltenen Brezel) wurden bislang mit 50 Cent bezahlt. Bei tausend Kunden konnte der Bäcker seine Unkosten davon fast decken. Jetzt aber wurde per geheimnisvoller Berechnung festgelegt: Zwei Semmeln sind nur noch 30 Cent wert. Unser Bäcker musste das akzeptieren, ob er wollte oder nicht. Damit war die Bäckerei nicht mehr zu finanzieren.
Er blickte sich in der Nachbarschaft um. Ein alter Bäcker in der Nähe zuckte mit den Schultern und meinte: „Ich höre bald auf zu backen. Meine Kunden werden dann vielleicht gar keinen Bäcker mehr haben.“ Ein jüngerer Bäcker sagte: „Ich verkaufe ausschließlich Croissants und jetzt auch Baguettes. Ich schere mich nicht um Semmeln und Brezeln.“ Ein letzter Bäcker wandte ein: „Ich werde meine Backlizenz zurückgeben. Dann werden wir mal sehen, was passiert. Allerdings haben mir die Innung, die Regierung und andere Verbände, die gar nichts vom Backen verstehen, mitgeteilt, dass ich dann ein Verräter an meinen Kunden, ein schlechter Bäcker und Mensch sei. Zudem würde man mich mit allen Mitteln des Gesetzes zwingen, weiterhin Semmeln zu backen, die Brezel kos-tenlos dazuzugeben, und mir 30 Cent dafür geben.“ Unser Bäcker war ratlos. Immer öfter starrte er in seinen Computer (den er sich laut Innung kaufen musste) und zählte Stunden, Semmeln und Croissants.
So, hier wollen wir die Geschichte verlassen, denn sie ist zu traurig und auch zu unrealistisch, oder? Kein Bäcker würde sich das gefallen lassen, warum denn auch? Welche Regierung würde die Bäcker so schikanieren? Welche Innung würde ihre eigenen Mitglieder so veralbern? Nein, so etwas gibt es nicht. Nicht bei den Bäckern. Und wenn es so etwas gäbe, dann hätten alle Bäcker das Recht, sich lautstark zu wehren oder ihre Bäckerei wirklich zu schließen!
Wir alle kennen die Moral der Geschichte. Es gibt einen Beruf, der für die Menschen grundsätzliche Hilfe und Arbeit leistet und der gegängelt und schikaniert wird, dass es nicht mehr so weitergehen kann und nicht mehr so weitergehen wird.
Vielleicht hast du, lieber Leser, jetzt ein bisschen besser verstanden, wie es in den „Bäckereien“ in diesem Land zugeht. Wenn du die Qualität der „Semmeln und Brezeln“ erhalten willst, dann wehre dich. Schreibe an die Regierung, schreibe an die Innung, sieh nicht schweigend zu, wie die Bäckereien zumachen. Es geht nicht ohne!
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