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Neidkampagne - Arzthonorare: Die Mogelpackung der Politik

Glaubt man dem Gesundheitsministerium, wächst der Honorarsäckel der niedergelassenen Ärzte stetig an: 3,3 Prozent pro Mitglied hätten die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2007 mehr für die ambulante Versorgung ausgegeben als 2006. Der höchste Anstieg seit 1994, jubelt das Ministerium und tönt von einer „erheblichen Verbesserung der Honorarsituation der Ärzte“. So reichlich beschenkt, müsste bei den niedergelassenen Ärzten eigentlich eitel Sonnenschein herrschen.

„Pustekuchen“, sagt Joachim Trauboth von der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten. Für ihn sind das bloß politische Taschenspielertricks. Einziges Ziel: Den immer lauteren Protest der Ärzte gegen niedrige Honorare, zu wenig Zeit für die Patienten und Gängelung durch Ministerium und Kassen unglaubwürdig erscheinen zu lassen.

Dass die Kassen tatsächlich etwas mehr Geld ausgegeben haben, zweifelt der Patientenvertreter dabei gar nicht an. Doch ein echtes Plus im Portemonnaie hätten die Ärzte schon seit Jahren nicht mehr gehabt, betont er: „Stellen Sie sich vor, wie hoch die Inflation ist, wie stark die Praxiskosten zum Beispiel bei Personal und Energie gestiegen sind. Das alles mit eingerechnet, sind die Ärzteeinkommen sogar gesunken.“

„Das Honorar für die Behandlung wirklich Kranker geht seit Jahren zurück“, pflichtet ihm der Hausarzt Hans-Peter Meuser bei, der sich auf der Internetseite www.honorarluege.de intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. „Nur für Spezialverträge wie die sogenannte Integrierte Versorgung, Disease-Management-Programme oder strukturierte Versorgungsverträge gibt es mehr. Wenn man als Arzt dies alles mitmacht, schafft man es gerade, das Geld-Minus beim Rest der Patienten auszugleichen. Dafür muss man dann aber auch noch mehr arbeiten.“

Auch mit manchen Früherkennungsuntersuchungen lasse sich ein Teil des Honorarverlusts wiedergutmachen. Doch so wichtig Vorsorge auch sei: „Für die wirklich Kranken bleibt immer weniger Zeit, weil das Honorar zu den Gesunden verschoben wird“, klagt Meuser. Das Ministerium hingegen gaukele vor, es sei alles in bester Ordnung. Für Meuser die übliche Taktik: „Zwischen dem, was Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sagt, und dem, was letztlich Realität ist, klaffen doch oft Welten.“

Für die Zukunft sagt das Ministerium sogar noch bessere Zeiten voraus. Ein neues Abrechungssystem, das eine Vergütung in festen Eurobeträgen verspricht, soll es richten. Bisher gibt es statt Euro Punkte, die erst später in echtes Geld umgerechnet werden. Das Problem dabei: Das Geld, das die Kassen für die Behandlung ihrer Patienten ausgeben, steht vorher fest. Sind viele krank, ist der Punkt weniger wert.

„Auch die Vergütung in Euro ist eine Mogelpackung“, davon ist Trauboth überzeugt. „Die Gesamtsumme, die die Kassen zur Verfügung stellen, ist weiterhin begrenzt.“ Warum das Ministerium das trotzdem als Erfolg verkaufe, könne er sich gut vorstellen. Seiner Ansicht nach ist das Teil einer Neidkampagne: „Als Patient haben wir immer noch das Bild vom Arzt mit dickem Auto, großem Haus und prima Leben. Dass immer mehr Ärzte um ihre Existenz kämpfen, ist bei ganz vielen noch nicht angekommen.

Als Patientenvereinigung können wir nur sagen: Macht die Augen auf, Patienten. Guckt euch an, was in eurer Umgebung passiert, wie viele Arztpraxen dichtmachen und nicht mehr neu besetzt werden. Die Politik hat den Arztberuf nicht nur wirtschaftlich uninteressant, sondern durch Strafzahlungen für Medikamentenverordnungen sogar zum finanziellen Risiko gemacht. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Versorgung der Patienten zusammenbricht.“


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Di, 26.08.2008 17:19 / Anja Schulte-Lutz / April 2008 Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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