Zunächst bemerken Sie nur eine leichte Blendempfindlichkeit. So richtig unangenehm ist das eigentlich nur beim Autofahren im Dunkeln. Doch nach und nach beschleicht Sie das Gefühl, trotz Brille immer schlechter zu sehen – wie durch eine verschmutzte Fensterscheibe. Als Sie sich entschließen, zum Augenarzt zu gehen, stellt der fest, dass sich die Linse in Ihrem Auge stark eingetrübt hat: Sie leiden unter einem „Grauen Star“. Eine Brille hilft da nicht mehr. Doch mit einer Operation lässt sich die Linse durch ein Kunststoffimplantat ersetzen. Das gehe schmerzfrei und ambulant in seiner Praxis, erklärt Ihnen Ihr Arzt.
Komplettpaket für 500 Euro
Nur etwa 15 Minuten dauert der eigentliche Eingriff. Die Vergütung dafür ist je nach Bundesland und Krankenkasse unterschiedlich. Ihr Augenarzt, der an einem speziellen Vertrag für Nordrhein mit Ihrer Kasse teilnimmt, hat es noch recht gut getroffen: Er bekommt eine Pauschale von rund 500 Euro. Viel Geld für wenig Aufwand? Eine naheliegende Vermutung, aber ein Irrtum: Denn damit am Operationstag alles klappt, sind Ihr Arzt und sein speziell ausgebildetes Team zusammengerechnet mehrere Stunden für Sie im Einsatz. Von der Verantwortung für Ihr Augenlicht ganz abgesehen.
Bis auf wenige Ausnahmen sind mit der Pauschale die Operation und alle Voruntersuchungen abgegolten. Für die Voruntersuchungen vereinbaren Sie einen eigenen Termin. Ihr Arzt begutachtet Ihre Augen dann ganz besonders gründlich: Ist Ihre Netzhaut in Ordnung, wie sieht Ihre Hornhaut aus, haben Ihre Augen andere Schäden? Dann misst er mit einem Ultraschallgerät, wie stark die neue Linse sein muss. Und natürlich erläutert er genau, was bei der Operation passiert. Außerdem bespricht er mit Ihrem Hausarzt, ob Sie Medikamente einnehmen oder Krankheiten haben, die einer Operation entgegenstehen. Rund eineinhalb Stunden dauert es, bis alles geklärt ist und Sie die Praxis wieder verlassen können.
Das ganze Team im Einsatz
Am Operationstag selbst können Sie nach knapp drei Stunden wieder nach Hause gehen. Was Sie kaum länger aufhält als der Wocheneinkauf, setzt in der Praxis aber minutiöse Planung und einen hohen Personalaufwand voraus: Wenn Sie Ihre OP-Kleidung bekommen, ist eine andere Arzthelferin mit der Vorbereitung des OP schon fast fertig. Während der Operation assistiert Ihrem Arzt die ganze Zeit über eine Schwester. Eine weitere ist auf Abruf bereit, eine dritte Mitarbeiterin besetzt den Empfang und ist während der zwei Stunden für Sie da, in denen Sie sich nach der Operation erholen. Ihr Arzt nimmt sich dann auch noch Zeit für ein Nachgespräch mit Ihnen.
Ein separates Honorar von Ihrer Kasse bekommt allein der Anästhesist, der Ihre Operation überwacht. Die Gehälter seiner Mitarbeiterinnen und die Kosten für den Betrieb des Operationssaals muss Ihr Arzt aus seinem Honorar bezahlen: 350 der 500 Euro Pauschale gibt er dafür aus. Ihm selbst bleiben also 150 Euro, von denen er noch Steuern, Pensionsbeiträge und die Abzahlung von Krediten bestreiten muss. Hinzu kommen Ausgaben für die bei der Operation verwendeten Materialien wie Handschuhe, Abdecktücher und die Linse. Dafür erhält Ihr Arzt zwar einen Festbetrag von Ihrer Kasse. Doch der ist so knapp bemessen, dass er noch von seinem eigenen Geld zuschießen muss. |