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| Sparmaßnahmen im OP: Narkose von der Krankenschwester |
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Immer mehr Kliniken setzen auf den Einsatz von Nichtmedizinern im OP. Was in England und in den USA bereits gang und gäbe ist, stößt in Deutschland jedoch auf massiven Widerstand.
Vollnarkose. Für viele Menschen ist allein die Vorstellung ein Alptraum. Wann sonst legt man sein Schicksal so vollständig in andere Hände. Einziger Trost: Der Fachmediziner weiß, was er tut, und sorgt für ein zuverlässiges Wiedererwachen aus dem künstlichen K.o. Immerhin hat er dafür viele Jahre studiert und schon tausende Patienten betreut. Doch die Kliniken müssen sparen. Deshalb setzt beispielsweise auch die private Klinikkette Helios auf den "Medizinischen Assistenten für Anästhesie", kurz MAfA. Dahinter verbirgt sich ein Krankenpfleger oder eine Krankenschwester mit einer einjährigen Zusatzschulung.
Die Idee dahinter: In Kliniken werden häufig mehrere Patienten gleichzeitig in dicht nebeneinanderliegenden OP-Sälen operiert. Dann hat nur noch ein Facharzt für Anästhesiologie Dienst und springt quasi zwischen den einzelnen Operationssälen hin und her. Persönlich anwesend ist er nur noch bei der Narkoseein- und -ausleitung oder er kommt bei Problemen hinzu. Während der Operation betreut ein MAfA den Patienten. Experten sprechen von "Parallelnarkosen".
Fachmediziner laufen Sturm: "Das ist, als ob man einen Piloten durch den Steward ersetzt", warnt Professor Hugo Van Aken, Präsident der Deutschen Anästhesie-Fachgesellschaft. Seine Warnungen kommen nicht von ungefähr: Ist ein MAfA für die Narkose zuständig, steigt das Sterberisiko der Patienten, warnt die Anästhesisten-Fachgesellschaft.
Das Thema Parallelnarkosen hat auch bereits mehrmals den Bundesgerichtshof beschäftigt. Seine Schlussfolgerung: Das Anästhesieverfahren dürfe "grundsätzlich nur von einem als Facharzt ausgebildeten Anästhesisten oder zumindest unter dessen unmittelbarer Aufsicht von einem anderen Arzt vorgenommen werden, wobei Blick- oder Rufkontakt zwischen beiden bestehen muss". Von einem MAfA also keine Rede.
Sparmaßnahmen im OP dürften nicht zu Lasten der Patienten gehen, betonte der BGH: "Die Sicherheit des Patienten" gehe "allen anderen Gesichtspunkten vor." Auch diejenigen, die die Arbeit des MAfA übernehmen sollen, wehren sich: "Der Einsatz von MAfA gefährdet Patienten so massiv, dass wir das rundweg ablehnen", erklärt Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband der Pflegeberufe (DbfK).
In welchen Krankenhäusern MAfAs zum Einsatz kommen, bleibt meist im Verborgenen: "Kein Hospital gibt schließlich gerne zu, was rechtlich umstritten ist und auf Patienten eine abschreckende Wirkung hat", meint die Fachjournalistin Brigitte Roth von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Helios-Kliniken haben inzwischen zurück gezogen: Dort sind MAfAs nicht mehr alleine für Narkosen verantwortlich.
Noch ist der Hickhack um die MAfA’s im vollen Gange, da zieht schon der nächste medizinische OP-Sparberuf herauf: Der "Chirurgisch-Technische Assistent" (CTA). Anders als der MAfA muss ein CTA aber nicht einmal mehr gelernter Krankenpfleger oder gelernte Krankenschwester sein. Eine einjährige Ausbildung zum Krankenpflegehelfer reicht aus, um die Ausbildung zum CTA zu beginnen.
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| Tipp: So sichern Sie sich Ihren Facharzt |
Jeder Patient hat ein Recht auf fachärztliche Betreuung während einer OP, und damit auch auf einen Anästhesisten, der während des Eingriffs direkt vor Ort ist. Darauf kann jeder Patient bestehen, rät der Justiziar der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), Elmar Biermann. Steht bei Ihnen eine Narkose an, muss auf jeden Fall vorher ein Aufklärungsgespräch stattfinden. Fragen Sie dann, ob bei Ihnen der Einsatz eines MAfA geplant ist - und weisen Sie ausdrücklich darauf hin, dass Sie auf die Anwesenheit eines Facharzt-Anästhesisten während der ganzen OP-Zeit bestehen. Dies können Sie auch schriftlich auf dem Aufklärungsbogen festhalten, den Sie vor jeder Operation unterschreiben müssen. Das Feld "sonstige Bemerkungen" bietet Ihnen hierfür ausreichend Platz.
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