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Auf der Suche nach einem guten Arzt ist guter Rat oft teuer. Eigentlich merkwürdig, zählen doch deutsche Mediziner zu den am besten ausgebildeten Ärzten der Welt. Nur dürfen sie allenfalls dezent über ihre Qualifikationen informieren. Hinzu kommt: Sie können in der Regel mehr, als sie per Gesetz dürfen. "durchblick gesundheit" erklärt, warum es manchmal so schwierig ist, einen guten Mediziner zu finden.
Wer einen guten Arzt sucht, hat in Deutschland die Qual der Wahl: Rund 120.000 niedergelassene Kassenärzte gibt es hierzulande, davon sind rund die Hälfte Allgemeinmediziner, der Rest sind Spezialisten wie Augenärzte, Chirurgen oder Hautärzte. Umso mehr verwunderte es den Kasseler Journalisten Thomas M., dass er sich die Finger wund telefonierte - und trotzdem keinen Mediziner fand, der bei ihm eine Magenspiegelung durchführen konnte. Oder besser: wollte. Denn die hessischen Mediziner bekommen für die komplizierte Untersuchung gerade mal noch 15 Euro bezahlt. Zu wenig, um derartige Spitzenmedizin noch anzubieten. Die Folge: Nichts als Absagen für Thomas M. Er weiß jetzt: Gute Ärzte zu finden, ist teilweise nicht deshalb so schwer, weil es sie nicht gibt, sondern weil sie ihre Qualifikationen aus finanziellen Gründen nicht mehr anbieten können.
Studien bestätigen deutschen Medizinern auch im internationalen Vergleich einen sehr hohen Qualitäts- und Wissensstandard. Denn nach dem ohnehin schon sehr langen und schwierigen Studium und einer Ausbildung in der Klinik ist für deutsche Mediziner mit dem Lernen noch längst nicht Schluss. Kein anderer Berufstand ist so sehr gesetzlich verpflichtet, regelmäßig an wissenschaftlichen Fortbildungen teilzunehmen - und das in der Freizeit, zusätzlich zum täglichen Praxistrubel. Für ihre Teilnahme etwa an wissenschaftlichen Fachkongressen erhalten die Mediziner Fortbildungspunkte. Wer binnen fünf Jahren nicht eine genau vorgeschriebene Zahl an Punkten gesammelt hat, bekommt Probleme mit der Ärztekammer. Das Schlagwort "lebenslanges Lernen" ist für deutsche Ärzte damit längst Realität.
Genauso hoch wie der wissenschaftliche Standard ist auch der Standard der technischen Ausstattung deutscher Arztpraxen: Die niedergelassenen Mediziner bieten hierzulande Behandlungs- und Diagnostikmethoden an, die es in anderen europäischen Ländern ausschließlich in der Klinik gibt - und auf die die Patienten deshalb dort teilweise lange warten müssen.
Das Problem bei der Suche nach einem guten Arzt besteht in der Regel also viel weniger in der Qualifikation der Mediziner. Es besteht darin, dass die Patienten einen "guten" oder sogar "sehr guten" Arzt suchen, dass niedergelassene Mediziner aber gesetzlich Versicherten nur "ausreichende" Medizin angedeihen lassen dürfen. Denn: Nach dem maßgeblichen Sozialgesetzbuch muss die Behandlung von gesetzlich Versicherten "wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig" sein. In Schulnoten ist das allenfalls eine vier. So dürfen deutsche Mediziner beispielsweise viele neue Diagnose- oder Therapieverfahren bei Kassenpatienten gar nicht anwenden - auch wenn sie sie beherrschen. Und das betrifft durchaus nicht nur die "Hightechmedizin".
Für jeden Patienten gehört es bei einem guten Arzt zum A und O, dass er sich möglichst viel Zeit nimmt, auch mal zuhört. Auch hier können und wollen Mediziner viel mehr, als möglich ist. "Nach der gültigen Honorarordnung bekomme ich rund fünf Euro dafür, wenn ich zehn Minuten im Gespräch mit meinem Patienten verbringe", rechnet der Hausarzt Dr. Reinhard Geldszus aus Neustadt am Rübenberge vor. Kein Wunder also, wenn sich Mediziner kaum mehr Zeit für ein ruhiges Gespräch nehmen: Sie können es nicht. Denn würde ein Arzt eine Stunde im Gespräch mit einem Patienten verbringen, brächte das gerade mal 30 Euro Umsatz. Davon kann kein Arzt seine Familie ernähren und auch noch das Gehalt der Helferinnen sowie die Miete für die Praxis überweisen. Und das sind noch längst nicht alle Kosten, die eine Arztpraxis verschlingt.
Zweite Krux der niedergelassenen Mediziner: Sie dürfen ihr Können nur sehr dezent öffentlich kundtun. Das regelt ein sehr strikt gefasstes Berufsrecht. Zeitungsanzeigen beispielsweise waren bis vor wenigen Jahren völlig tabu - und auch heute beschäftigen Medizi-nerannoncen immer wieder auch die höchsten deutschen Gerichte, die klären müssen, ob sie die eng gezogenen Spielregeln nicht verletzen. Da reicht es schon, wenn eine Anzeige beispielsweise zu häufig erscheint, damit der Arzt Ärger bekommt.
Hilfreicher als der Blick in die Morgenzeitung ist die Suche im Internet, denn dort gibt es mittlerweile einige gute Möglichkeiten, sich näher über einen Arzt und sein Angebot zu informieren. Allerdings: Wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass sich nur wenige Mediziner wirklich mit einem umfangreichen Angebot präsentieren. Das liegt nicht an mangelnder Qualifikation, sondern wiederum am Irrsinn des Systems: Immer mehr Mediziner gehen dazu über, besondere Qualifikationen gar nicht erst publik zu machen, ganz einfach, weil sie die entsprechenden Patienten nicht versorgen können. Zu eng ist ihr Budget, das sie von Politik und Kassen für die Behandlung von Kassenpatienten zugewiesen bekommen.
So auch ein Hamburger Internist, der sich in vielen langen Kursen zum Umweltmediziner fortgebildet hat. "Es ist sehr, sehr aufwendig, einen Umweltpatienten zu betreuen", berichtet der Mediziner, der lieber nicht genannt werden möchte. "Die-se Zeit und diesen Aufwand auch beispielsweise an Labordiagnostik zu betreiben, kann ich mir im wahrsten Sinne des Wortes nicht leisten. Unser Honorarsystem ist so verrückt - ich habe das Wissen, den Leuten zu helfen. Nur: Tue ich es, gehe ich pleite, weil ich dafür einfach kein Geld bekomme. Ein oder zwei Patienten wären ja noch o.k. Aber es bleibt ja nicht bei einem Umweltpatienten.
Ärzte, die solche Patienten mit viel Geduld und Können behandeln, werden schnell weiterempfohlen. Das ist ruinös. Also habe ich die Zusatzbezeichnung "Umweltmedizin" wieder von meinem Praxisschild entfernt." Genauso handeln immer mehr Mediziner, die sich beispielsweise auf Schmerztherapie oder die Behandlung von Allergien spezialisiert haben.
Deshalb bieten viele Mediziner bestimmte Leistungen auch nur noch für Privatpatienten oder Selbstzahler an. Denn hier entfallen die Fesseln des knappen zugestandenen Budgets. Deshalb lohnt es sich für die Ärzte, um diese Patienten zu werben. Doch auch hier gelten strenge Regeln, platte Werbung ist verboten. Will ein Arzt auf sich aufmerksam machen, darf er nur darüber informieren, dass er eine bestimmte Leistung anbietet oder eine spezielle Qualifikation besitzt. Nicht behaupten darf er hingegen, dass er etwas besonders gut kann, oder sich mit anderen Kollegen vergleichen. Tabu ist es auch, die eigene Person über Gebühr in den Vordergrund zu stellen. Wer sich nicht daran hält, bekommt Ärger mit seiner Ärztekammer.
Erlaubt ist es den Medizinern, mit einem relativ neuen Merkmal zu werben: Immer häufiger tauchen in Praxen oder auf Ärztehomepages Aussagen auf wie "Iso 900x-zertifiziert". Der Hintergrund: Die Mediziner sind per Gesetz verpflichtet, ein sogenanntes Qualitätsmanagement in ihrer Praxis durchzuführen. Ob diese teilweise pompös klingenden Zertifikate allerdings auch wirklich etwas darüber aussagen, wie gut ein Arzt ist, daran scheiden sich die Geister (siehe Kasten Seite 4).
Vorsicht ist auch bei den sogenannten "Ärzte-Rankings" geboten, mit denen große deutsche Zeitschriften immer wieder wahre Traumauflagen erreichen. Nur vermeintlich weisen sie objektiv den Weg zu den Perlen der deutschen Medizinerzunft. Doch welcher Arzt in solchen Rankings auftaucht und wie gut er bewertet wird, ist in vielen Fällen nicht nachvollziehbar. Immer wieder tauchen auch Berichte darüber auf, dass findige Verlagsvertreter Mediziner mit der forschen Frage anklingeln, was dem Herrn Doktor eine positive Ranking-Nennung denn wohl wert sei.
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Zauberkürzel „QM“ – Machen Handbücher gesund? |
| Zauberkürzel "QM" - Machen Handbücher gesund? |
| "Diese Praxis ist nach ISO 9001 zertifiziert." Klingt toll, beweist aber nicht, dass hier ein besonders guter Mediziner am Werke ist. Über die ärztliche Qualifikation sagt das sogenannte Qualitätsmanagement (QM) nichts, für das Zertifikate wie eben "ISO 9000" oder auch "QEP", "KPQM" oder andere stehen.
Die Grundidee des QM: Wer eingefahrene Abläufe in immer wiederkeh-renden Prozessen genauer unter die Lupe nimmt, entdeckt vielleicht Schwachstellen, die er verbessern kann. Dazu müssen Mediziner unter anderem zusätzliche Kurse belegen und dicke Handbücher wälzen. So manch einer hat daraus schon Ideen gewonnen, wie die Praxis besser zu managen sei. Anderen ist das Ganze aber mehr ein Dorn im Auge: "Noch mehr Bürokratie", stöhnen diese Mediziner. Und ein Chirurg aus Württemberg ätzt: "Toll! Seitdem ich QM mache, kann ich wenigstens qualitätsgesichert rationieren."
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Im Interview: Rolf Heyde |
| Im Interview |
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Rolf Heyde
In ihren Berufsordnungen legen die Ärztekammern fest, welche Regeln Ärzte bei ihrer Eigenwerbung beachten müssen. Rolf Heyde ist Sprecher der Ärztekammer Niedersachsen. |
| durchblick: Dürfen Ärzte für sich werben?
Grundsätzlich schon. Allerdings nicht berufswidrig, das heißt, Werbeaktivitäten dürfen nicht gegen die Bestimmungen der Berufsordnung gerichtet sein. Ärzte dürfen insofern sachlich über ihre Fachgebiete, Tätigkeitsschwerpunkte, Öffnungszeiten und in der Praxis vorhandene Geräte informieren. Dafür können sie Aushänge in der Praxis, Praxisbroschüren oder Zeitungsanzeigen nutzen. Reißerische Werbung und Vergleiche mit Kollegen verbietet die Berufsordnung dagegen. Auch Firlefanz wie Preisausschreiben oder ein Rosenstrauß für jede zehnte Patientin ist nicht in Ordnung.
durchblick: Wieso sollen Ärzte nicht genauso wie andere Dienstleister auch auf sich aufmerksam machen?
Gesundheit ist keine Ware, die Ihnen Ihr Arzt verkaufen kann, und Ärzte sind keine Gewerbetreibenden. Wer einen Unfall hat, hat keine Wahl. Wenn Sie bewusstlos sind, können Sie weder mit dem Arzt über die Behandlungsmethode diskutieren noch um den Preis feilschen. Klassische Werbung spitzt zu und übertreibt. Das mag für Waschpulver angemessen sein. Wenn sich aber ein Arzt anpreist wie ein Bananenhändler auf dem Markt, ist das unseriös. Das wäre der Einstieg in die auch gesundheitspolitisch unerwünschte Kommerzialisierung des ärztlichen Berufs.
durchblick: Was haben die Patienten von diesem Verbot?
Patienten können - auch dann, wenn sie gut informiert sind - den Wahrheitsgehalt einer reißerischen Werbung nur schwer erkennen. Sie könnte die Patienten also irreführen und Erwartungen an den Erfolg einer Behandlung wecken, die der Arzt am Ende nicht erfüllen kann. Das zerstört das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient.
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