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Niederländische Patienten in Deutschland: "Bei uns wäre ich längst tot"

Sprechen die Politiker in Deutschland über die Gesundheitsreform, schwärmen sie gerne von den Gesundheitssystemen unserer Nachbarländer, allen voran die Niederlande. Hier gibt es keine niedergelassenen Fachärzte, die Fachärzte arbeiten ausschließlich an Kliniken. Diese sind allerdings chronisch überlastet. Allein im Jahr 2001 mussten 185.000 Niederländer wochenlang darauf warten, in einer orthopädischen, chirurgischen oder einer Klinik für Augenheilkunde behandelt zu werden, hat das das Institut für Gesundheits-System-Forschung (IGSF) in Kiel errechnet.

Seitdem hat sich die Lage nicht wesentlich gebessert. Deshalb nehmen immer mehr Niederländer ihre Gesundheit in die eigenen Hände, setzen sich ins Auto – und lassen sich von einem deutschen Arzt behandeln. In den Grenzgebieten hat sich deshalb schon ein wahrer Medizin-Tourismus entwickelt. Holländer fahren über die Grenze nach Deutschland, um der Mangelversorgung und den endlosen Wartezeiten zu entgehen.

„Bis ich bei uns an den richtigen Arzt gerate, bin ich längst tot“, begründete kürzlich ein 61-jähriger niederländischer Patient seine Reise zu einem deutschen Arzt. Auf einen Termin, etwa beim Internisten, müsse er Monate warten, berichtete er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Wenn du dann untersucht wirst, kommt der Assistent vom Assistenten. Dann wirst du nach Hause geschickt und musst warten. Dann musst du wieder hin, hast wieder einen anderen Arzt, der dann sagt, dass man für eine weitere Untersuchung zu einem anderen Arzt muss“, klagte der Niederländer.

Für die Ärztin des 61-Jährigen, Marion Ries aus Aachen, ist Besuch aus dem Nachbarland nichts Ungewöhnliches – immer häufiger sitzen in ihrem Wartezimmer Niederländer, die von der besseren medizinischen Versorgung in Deutschland begeistert sind. Angesichts der derzeitigen Debatte um die Gesundheitsreform in Deutschland und der geplanten Abschaffung vieler Facharztpraxen gibt Ries ihnen jedoch einen besonderen Ratschlag: „Genießen Sie es, solange es noch geht. Wer weiß, wohin wir in Deutschland steuern.“

Mi, 24.01.2007 17:43 / Jan Scholz Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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