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"durchblick gesundheit"-Serie Teil 1: So viel Honorar bekommt Ihr Arzt ... wenn Sie erkältet sind

Anders als jeder Klempner, Bäcker oder Anwalt bekommen Ärzte keine festen Eurobeträge für die Behandlung von Kassenpatienten. Dafür gibt es zunächst kein Geld, sondern Punkte. Wie viel ein Punkt wert ist, erfahren Ärzte aber erst am Ende eines Quartals. Der Grund: Die Krankenkassen geben immer nur einen festen Geldbetrag aus, der dann drei Monate für die Behandlung aller Patienten reichen muss – mit dem Effekt, dass der Arzt manchmal ein geradezu lächerliches Honorar für die einzelne Behandlung bekommt, gerade, wenn viele Patienten in seine Praxis kommen. „durchblick gesundheit“ beleuchtet in einer Serie, wie viel Ihr Arzt für eine Behandlung bekommt. Heute: Erkältungskrankheiten.

Untersuchung für 1,19 Euro

Husten, Schnupfen, Heiserkeit, leichtes Fieber – wenn Sie damit zu Ihrem Hausarzt gehen, wird er Sie höchstwahrscheinlich abhorchen, die Lymphknoten abtasten und Hals und Ohren untersuchen. Denn er und auch Sie wollen ja schließlich sicher sein, dass wirklich nur eine Erkältung hinter Ihren Beschwer-
den steckt. Eine ärztliche Diagnose ist immer eine hoch qualifizierte Tätigkeit, für die Ihr Arzt viele Jahre studiert hat. Trotzdem bekommt er für seine Diagnose in manchen Fällen gerade einmal 1,19 Euro.

Dieser Betrag kann dabei herauskommen, wenn Ihr Hausarzt bei Ihnen einen grippalen Infekt feststellt. Für Ihre Untersuchung rechnet er dabei den sogenannten „Ordinationskomplex“ ab. Voraussetzung ist, dass dies in dem laufenden Quartal Ihr erster Besuch bei Ihrem Hausarzt ist. Andernfalls wird der „Konsultationskomplex“ fällig. Hinter beiden Bezeichnungen verbirgt sich die Betreuung und Behandlung eines Patienten von bis zu zehn Minuten Dauer.

Für den Ordinationskomplex bekommt Ihr Arzt bei einem zwischen sechs und sechzig Jahre alten Versicherten 145 Punkte gutgeschrieben. Für den Konsultationskomplex erhält er 35 Punkte. 4,95 Euro pro Behandlung ergab das im ersten Quartal 2006 für einen niedersächsischen Arzt, also 3,41 Cent pro Punkt. Ihrem Hausarzt persönlich bleibt davon kaum etwas. Denn mit seinen Einnahmen muss er nicht nur seinen Lebensunterhalt, sondern auch noch Praxiskosten wie Personal, Miete und die Abzahlung der Praxiseinrichtung bestreiten.

7,14 Euro pro Stunde

Die Tränen müssten Ihrem Hausarzt in die Augen treten, wenn Sie mit Ihrer Erkältung in einem Quartal, in dem Sie schon bei ihm waren, in seine Praxis kommen: Für die 35 Punkte des Konsultationskomplexes gab es Anfang 2006 gerade einmal 1,19 Euro. Auf die Stunde gerechnet sind das 7,14 Euro. Zum Vergleich: In der Autowerkstatt zahlen Sie für eine Arbeitsstunde durchschnittlich 62 Euro – obwohl der Handwerker dort keine Universität besucht hat.

Noch dicker kommt es, wenn Ihr Arzt in einem Quartal besonders viel gearbeitet hat. Denn der Punktwert von 3,41 Cent gilt nur bis zu einer bestimmten Obergrenze an Punkten. Für alle darüber hinaus erarbeiteten Punkte gab es in Niedersachsen im ersten Quartal 2006 nur noch 0,1 Cent – der Arzt hat dann also für lau gearbeitet.

Mi, 15.11.2006 15:53 / asl Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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