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Krankenhaus: Hauptsache billig?

Ein Hausarzt, der einen Patienten ins Krankenhaus einweisen muss, soll dabei auch im Blick behalten, welche Klinik die besten Preise bietet – und kann dann auch noch finanziell davon profitieren, wenn er ein günstiges ausgesucht hat. So zumindest gewünscht von der Barmer im Ruhrgebiet. Die hofft, so ordentlich Geld zu sparen: Der Preis beispielsweise für eine Blinddarmoperation kann schon mal um mehrere Hundert Euro schwanken.

Die Barmer verschickte eine entsprechende Preisliste an alle Hausärzte der Region, erntete allerdings heftigen Protest von Patienten und Ärzten: „Statt eines Wettbewerbs um Qualität wird es bald nur darauf ankommen, wer eine Behandlung möglichst billig anbietet“, schimpft Dr. Theodor Windhorst, Chirurg und Präsident der Ärztekammer in Rheinland-Pfalz. Patientenvertreter Wolfram Candidus spricht gar von einer „Geiz-ist-Geil“-Mentalität. Nicht der Preis, sondern das Wohl der Patienten müsse im Vordergrund stehen, fordert er. Schon seit 2005 beteiligt die Barmer die Hausärzte an ihren Ersparnissen. 60 Prozent der eingesparten Gelder verteilt sie unter ihnen.

Die Barmer rudert derweil zurück und bezeichnet die Vorwürfe als Unsinn: „Wir schreiben den Ärzten nichts vor.“ Auch weiterhin solle die medizinische Qualität an erster Stelle stehen, wenn ein Hausarzt seine Patienten an ein Krankenhaus überweist, beteuert die Kasse.

Mit ihrer Preisliste wolle sie die Hausärzte lediglich informieren, beteuert die Krankenkasse. Außerdem: „Ist ein Krankenhaus günstiger, bedeutet dies keinesfalls, dass es schlechter ist als ein anderes“, meint die Barmer.

Viele Hausärzte sind sich aber einig: Sie wollen ihre Patienten auch künftig in das Krankenhaus schicken, das medizinisch für sie am geeignetsten ist, und nicht schon wieder Sparkommissar einer Krankenkasse sein.


Mi, 15.11.2006 15:41 / ny Druckversion Mail Zurück Weiter

 

 

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