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Versandapotheken: So bestellen Sie richtig

"Markenpräparate bis zu 50 Prozent günstiger!" So vollmundig werben manche Versandapotheken um Kunden. Doch was steckt hinter diesen Versprechungen? Nicht alle Angebote sind Schnäppchen, doch wer vor dem Kauf gut nachrechnet, kann oft sparen. Trotzdem hat die Apotheke um die Ecke in vielen Fällen die Nase vorn.



"Medikamente aus dem Internet? So ein neumodisches Zeug kommt mir nicht ins Haus", schimpft die Rentnerin Erika S. "Ich bleibe bei meiner Apothekerin, da habe ich schon immer gekauft." Regelmäßig besorgt sie sich dort Ginkgo-Kapseln für eine bessere Durchblutung. Doch als ihre Enkelin ihr vorrechnet, dass sie bei einer Versandapotheke für eine Packung mit 120 Kapseln bis zu 22 Euro weniger bezahlen würde, gerät sie ins Schwanken: Soll sie ihrer Apotheke die Treue halten oder lieber ihre kleine Rente schonen und ihre Enkelin günstig im Internet bestellen lassen?



Vor allem bei frei verkäuflichen Medikamenten machen die Versandhändler den traditionellen Apotheken Konkurrenz. Möglich macht das eine Zweiteilung des Preissystems: Seit 2004 können alle Apotheken - also auch die Versandhändler - die Preise für frei verkäufliche Arzneimittel selbst festlegen und sich so gegenseitig unterbieten. Für verschreibungspflichtige Medikamente gelten dagegen weiterhin feste Preise. Sparen können Sie also nur bei rezeptfreien Mitteln.



Rund 20 große und 1.400 kleinere Versandapotheken gibt es in Deutschland. Hinter jedem dieser Angebote muss eine echte Apotheke mit Laden stehen. Denn nur sie kann eine Erlaubnis zum Versandhandel mit Medikamenten erhalten. Gerade bei einer Bestellung im Internet sollten Sie das sorgfältig überprüfen. Im Impressum der Seite müssen Sie den Namen des Apothekers, den Namen und die vollständige Adresse der Apotheke sowie die zuständige Aufsichtsbehörde und die Apothekerkammer finden. Fehlen diese Angaben, lassen Sie lieber die Finger davon. Das Gleiche gilt für ominöse Angebote per E-Mail.



Der Einkauf in der Versandapotheke läuft genauso ab wie bei Otto oder Quelle: Sie bestellen im Internet oder bequem aus dem Katalog. Ein bis drei Werktage darauf erhalten Sie Ihre Medikamente nach Hause geliefert. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten müssen Sie außerdem vorher Ihr Rezept an die Versandapotheke schicken, das dauert dann etwas länger. Es reicht nicht, das Rezept zu faxen oder eingescannt per Mail zu schicken. Erst wenn das Original angekommen ist, darf die Apotheke das Medikament an Sie ausliefern. Die Abrechnung mit der Krankenkasse übernimmt die Versandapotheke. Sie tragen gegebenenfalls die Zuzahlung und das Porto.



Die Höhe der Versandgebühren ist unterschiedlich. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten ist die Lieferung in der Regel kostenlos. Für frei verkäufliche Medikamente gilt meist eine Grenze zwischen 20 und 50 Euro Bestellwert, ab der die Versandkosten entfallen. Bezahlen können Sie je nach Apotheke per Nachname, Kreditkarte, Bankeinzug, Rechnung oder Vorkasse. Teilweise fallen dafür zusätzliche Gebühren an.



Bevor Sie in einer Versandapotheke bestellen, ist Rechnen angesagt. Nicht immer ist sie günstiger als Ihre Apotheke um die Ecke. Kommt dann noch eine Pauschale für den Versand dazu, müssen Sie unter Umständen sogar tiefer in die Tasche greifen, als wenn Sie schnell zur Apotheke gelaufen wären. Internetseiten wie www.medizinfuchs.de und www.medipreis.de helfen auf der Suche nach dem besten Angebot. Eine Nachfrage bei Ihrer Hausapotheke kann sich ebenfalls lohnen: Auch sie kann für frei verkäufliche Medikamente gute Preise oder Sonderangebote machen.



Für Patienten wie Erika S. rentiert sich die Bestellung in der Versandapotheke. Wie viele andere ältere oder chronisch kranke Menschen nimmt sie regelmäßig ein frei verkäufliches Medikament, das sie selbst zahlen muss. Sie weiß im Voraus, wann sie Nachschub braucht. Sie kann also rechtzeitig bestellen, sodass ihre Ginkgo-Kapseln schon da sind, wenn die letzte Packung verbraucht ist.



Wer dagegen akut erkrankt, ist mit einer Versandapotheke schlecht beraten. Ihre Erkältung richtet sich nicht nach Lieferzeiten. Hustensaft oder Antibiotika brauchen Sie sofort - nicht erst nach drei Tagen. In der Apotheke am Ort können Sie das Medikament dagegen gleich mitnehmen. Wenn nicht, erhalten Sie es zumindest noch am selben Tag.



Auch bei verschreibungspflichtigen Medikamenten bringt Ihnen die Versandapotheke keine Vorteile. Für diese Medikamente ist der Preis vorgeschrieben und deswegen in allen Apotheken der gleiche. Sie sparen nicht, müssen aber länger auf Ihr Medikament warten. Weniger zahlen Sie nur, wenn Sie im Ausland bestellen. Dort gilt die Preisbindung nicht. Vorher sollten Sie aber auf jeden Fall bei Ihrer Kasse fragen, ob die ausländische Apotheke mit ihr abrechnen darf. So schützen Sie sich zugleich davor, einem unseriösen Anbieter in die Falle zu tappen.



Das bieten Versandapotheken
Nur bei rezeptfreien Arzneimitteln können Versandhändler niedergelassenen Apotheken mit Niedrigpreisen Konkurrenz machen. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten gelten Festpreise. Deswegen versuchen manche Versandapotheken mit Boni und zusätzlichen Serviceleistungen, Kunden an sich zu binden.

Rabatte und Boni
In der Versandapotheke gibt es auf die meist bereits preisreduzierten frei verkäuflichen Medikamente in der Regel keine zusätzlichen Rabatte. Bei der Bestellung von rezeptpflichtigen Medikamenten oder wenn Sie neue Kunden werben, können dagegen Einkaufsgutscheine herausspringen. Fast alle Versandapotheken erlassen Ihnen bei der Bestellung von verschreibungspflichtigen Medikamenten die Versandkosten, größere Internetapotheken schicken Ihnen außerdem Freiumschläge für die Einsendung von Rezepten zu. Manche Apotheken belohnen Ihre Bestellung zudem mit einem kleinen Präsent.

Prüfung auf Wechselwirkungen
Viele Versandapotheken werben damit, dass sie Ihre Bestellung daraufhin überprüfen, ob sich die Medikamente untereinander vertragen. Für den Fall, dass Wechselwirkungen auftreten können, versprechen sie, Sie umgehend zu informieren.




Das bietet die Apotheke um die Ecke
Der Arzneimittelmarkt ist heiß umkämpft, mit Kampfpreisen machen Versandhändler kleinen Apotheken das Leben schwer. Viele Apotheker wollen dem mit Sonderangeboten, Kundenkarten und Bonusheften Paroli bieten.

Rabatte
Wer im Besitz einer Kundenkarte oder einer Rabattkarte des regionalen Einzelhandels ist, kann bei vielen Apotheken von Rabatten zwischen drei und fünf Prozent des Preises profitieren. Die Angebote sind allerdings unterschiedlich gut: Während viele Apotheken nur auf Kosmetik- und Drogerieartikel Rabatte gewähren, gelten sie bei anderen Apotheken auch für rezeptfreie Medikamente. Auf verschreibungspflichtige Arzneimittel ist kein Preisnachlass möglich.

Bonuspunkte
Mehrere regionale Zuammenschlüsse von Apotheken bieten eine Art Payback-System an: Für jede fünf Euro, die Sie für rezeptfreie Medikamente oder andere Produkte ausgeben, erhalten Sie einen Bonuspunkt. Für 50 Bonuspunkte gibt es einen Einkaufsgutschein im Wert von zehn Euro.

Preisgarantie
Ein Zusammenschluss Hamburger Apotheker gewährt sogar eine Preisgarantie: Wer ein Medikament in einer anderen Apotheke in der Stadt günstiger bekommt, erhält die Differenz zurück.

Speicherung von Quittungen
Wer möchte, kann in vielen Apotheken seine Einkäufe und Zuzahlungen speichern lassen. Auf Wunsch erhalten Sie am Ende des Jahres eine Liste der geleisteten Zuzahlungen für die Krankenkasse oder eine Kostenaufstellung für das Finanzamt. Durch die Speicherung der Daten kann Ihr Apotheker Sie auch auf mögliche Wechselwirkungen hinweisen.




Do, 08.03.2007 11:47 / Anja Schulte-Lutz Druckversion Mail Zurück Weiter

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