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| Importarzneimittel: Gewohnte Qualität in ungewohnter Verpackung |
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Polnisch auf der Pillenpackung? Da kann doch etwas nicht stimmen! Doch keine Angst: Wenn Sie das Medikament regulär in der Apotheke erhalten haben, dann liegt ein Arzneimittel vor Ihnen, das die gleiche Qualität hat wie gewohnt. Nur hat es seinen Weg über die europäischen Grenzen angetreten. Sogenannte Re- und Parallelimporte sorgen zwar mit teils gewöhnungsbedürftigen Verpackungen für Verwirrung, können aber helfen, Geld zu sparen.
Auf die inneren Werte kommt es an. Dass diese Alltagsweisheit auch für Medikamente gilt, müssen Apotheker immer wieder erklären, wenn bei ihnen so genannte Re- oder Parallelimporte über den Ladentisch gehen. Diese Medikamente sind zwar Markenpräparate, doch ihre Verpackung sieht oft ganz anders aus, manchmal prangt auf ihr sogar eine ausländische Beschriftung. Kein Wunder, wenn Patienten da befürchten, einer Fälschung aufgesessen zu sein. Dabei ist es wirklich nur die Packung, die erschreckt. Pharmahersteller produzieren natürlich nicht nur für Deutschland, sondern meist für alle europäischen Länder. Die Pille bleibt gleich, nur die Packung sieht anders aus, auch der Name des Präparates kann sich unterscheiden.
Importarzneimittel sind also nicht gefährlich, Sie können damit sogar sparen. Diese Mittel kosten häufig deutlich weniger als die Medikamente in der gewohnten Verpackung. Der Trick funktioniert so: Händler kaufen ein Arzneimittel dort in Europa ein, wo es billiger ist als in Deutschland. Dann importieren sie es und verkaufen es an die Großhändler, die wiederum die Apotheker beliefern. Das lohnt sich, der Preisunterschied ist zum Teil enorm. So kostet ein Medikament gegen Schizophrenie, für das die Krankenkassen in Deutschland über 60 Euro berappen müssen, in einer italienischen Apotheke nur 33 Euro.
Die Reise so genannter Reimporte ist sogar noch länger. Sie kauft ein Importeur im Ausland ein, obwohl sie ursprünglich in Deutschland hergestellt wurden. Dann aber hat der Hersteller das Medikament beispielsweise nach Griechenland exportiert, wo es viel weniger kostet als bei uns. Dort kauft es der Importeur und bringt es zurück nach Deutschland. Bevor also ein Reimport in einer Kölner Apotheke landet, kann er schon eine Fahrt von Leverkusen nach Athen und wieder zurück nach Deutschland hinter sich haben.
Von einem Parallelimport sprechen Apotheker, wenn das Medikament von vornherein im Ausland hergestellt ist. Normalerweise bringt die Herstellerfirma es dann selbst zum Verkauf nach Deutschland. Gibt es zusätzlich einen Importeur, führen die Firmen das Mittel sozusagen nebeneinander, also parallel, ein.
Dass bei der Reise der Medikamente durch Europa Fälschungen dazwischengemogelt werden, haben Sie nicht zu befürchten. Wenn Sie ein Importarzneimittel in der Apotheke kaufen, können Sie sicher sein, dass es trotz der ungewohnten Verpackung echt ist. „Fälle, in denen Fälschungen in Apotheken gelangt sind, sind uns bisher nicht bekannt“, versichert die Unabhängige Arzneimittelberatung für Patienten der Technischen Universität Dresden.
Auch auf die Qualität von Importarzneimitteln können Sie sich verlassen. Schließlich sind dies alles Markenmedikamente, für die die deutschen Sicherheitsbestimmungen und Qualitätsanforderungen gelten: Möchte ein Unternehmen Arzneimittel importieren, braucht es zunächst eine Herstellungserlaubnis. Denn obwohl es gar keine eigenen Medikamente produziert, gilt es offiziell als Hersteller. Für jedes einzelne Medikament muss es außerdem eine Zulassung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beantragen. Das Institut prüft, ob die Qualität des Medikamentes stimmt und ob es auch genauso wirkt, wie das in Deutschland schon zugelassene Original.
Damit Sie nicht nur das richtige Medikament bekommen, sondern auch wissen, wie Sie es anwenden müssen, bekommt jedes importierte Arzneimittel eine neue Packungsbeilage. Darin ist alles auf Deutsch erklärt. Auch sie muss dem strengen Blick des BfArM standhalten. Ebenso gelten die deutschen Regeln für die Verpackung. Bei deren Design geben sich die Importeure allerdings unterschiedlich viel Mühe. Manche Tabletten bekommen eine neue Schachtel, die dem gewohnten Produkt fast zum Verwechseln ähnlich sieht. Bei anderen prangt lediglich ein deutscher Aufkleber auf der griechisch beschrifteten Verpackung.
Kleine Unterschiede zwischen Import und Original kann es außer bei der Verpackung bei Form und Farbe des Medikamentes geben. Teilweise enthalten die Mittel auch andere Zusatzstoffe. Davon sollten Sie sich aber nicht irritieren lassen, denn der Wirkstoff ist immer der gleiche. Allerdings kann die unterschiedliche Zusammensetzung dazu führen, dass Sie ein Importarzneimittel besser oder schlechter vertragen als das handelsübliche Produkt. Normalerweise merken Sie davon aber nichts.
Alle diese Besonderheiten muss Ihnen Ihr Apotheker erklären, wenn Sie über Importarzneimittel noch nicht Bescheid wissen. Verkauft er Ihnen so ein Medikament, hat er also ziemlich viel Arbeit damit, Ihre Bedenken zu zerstreuen. Das alles könnte er sich ersparen, wenn er Ihnen immer das Original geben würde. Doch eine Vereinbarung zwischen Apothekern und Krankenkassen verpflichtet ihn dazu, Ihnen ab und an ein Importarzneimittel zu verkaufen. Fünf Prozent aller Packungen, die die Krankenkassen bezahlen, müssen Importe sein, schreibt die Übereinkunft vor. Auf diese Weise wollen die Kassen Geld sparen. Immerhin kosten die Importe ja weniger als die Originale.
Ihr Arzt hat übrigens auch etwas davon, wenn Sie in der Apotheke ein Importarzneimittel erhalten. Ihm hilft jeder eingesparte Euro, weil er nur für eine begrenzte Summe Medikamente verschreiben darf. Ist dieses Geld verbraucht, zahlt er aus eigener Tasche dazu, wenn Sie trotzdem krank werden und ein Antibiotikum brauchen. Deswegen gilt: Je günstiger die Medikamente, desto mehr Patienten kann Ihr Arzt gute Medizin verschreiben.
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