|

|
| Der gläserne Patient – Gesundheitskarte: Von Dichtung und Wahrheit |
|
|
|
„Der Patient bleibt Herr seiner Daten, alles ist freiwillig“
Falsch. Auf der Karte selbst sollen kaum Daten gespeichert sein. Dazu zählen „Notfall- oder Grunddaten“, Diagnosen, Allergien und Medikamente. Zum Beispiel auch Angaben über vererbbare und psychische Erkrankungen oder allergische Reaktionen auf Medikamente. Angeblich freiwillig für Patienten, aber diese Notfalldatenspeicherung wird jetzt schon massiv von den Krankenkassen beworben. Die elektronischen Rezepte als Kernstück des Projektes und die Erstellung von Krankheitsrisikoprofilen anhand der Verordnungsdaten sind nicht freiwillig für Versicherte.
Vielmehr soll die Karte als Schlüssel zu einem gigantischen elektronischen System dienen. „Die entscheidenden Daten landen auf großen Zentralcomputern“, warnt der Präsident der Vereinigung „Freie Ärzteschaft“, Martin Grauduszus. Was dann damit passiert, kann kein Patient mehr kontrollieren.
Die Hamburger Allgemeinärztin Dr. Silke Lüder warnt: „Das Bundesgesundheitsministerium plant, dass der „Grunddatensatz“ der Bürger an allen Orten Europas ausgelesen werden kann, auch ohne dass der Patient seine geheime PIN-Nummer eingibt. Wenn Sie sich zum Beispiel für eine neue Arbeitsstelle interessieren, könnte ein Betriebsarzt der neuen Firma auch vor dem Abschluss eines Arbeitsvertrages lesen, ob Sie mal eine Unverträglichkeitsreaktion auf ein Mittel gegen Depressionen hatten. Meinen Sie, dass Sie dann die neue Stelle noch bekommen?
Möchten Sie, dass sich Ihre ausführlichen Krankheitsdaten, Arztbriefe und Laborbefunde im Internet befinden? Selbst das amerikanische Verteidigungsministerium und die deutsche Bundesregierung waren nicht in der Lage, ihre Computer vor chinesischen Hackern zu schützen“, sorgt sich die Medizinerin.
„Die E-Card erleichtert den Ärzten die Arbeit“
Falsch. Heute dauert es zwei bis drei Sekunden, um ein Papierrezept auszustellen. In Zukunft wird das über das neue elektronische System für nur ein Medikament 24 Sekunden dauern. Das bedeutet für eine durchschnittliche Praxis einen Zeitverlust von 26 Stunden ärztlicher Arbeitszeit im Monat.
„Die E-Card macht die Behandlung sicherer“
Falsch. „Auch heute schon prüfen Ärzte mithilfe ihres Praxiscomputers die Arzneimittel-Wechselwirkungen verschiedener Medikamente“, betont Grauduszus. Dies Argument sei genauso fragwürdig wie das der Notfalldaten auf der neuen Karte. „In lebensbedrohlichen Notfällen sind schnelle Untersuchungen und lebensrettende ärztliche Maßnahmen wichtig – da sucht der Notarzt nicht lange nach einer Karte und geht dann zum Rechner.“
„Die E-Card wird helfen, Geld zu sparen“
Falsch. Allein der Projektstart kostet Milliarden, hat eine erste Schätzung ergeben. Zu Beginn ist allerdings kaum mehr als ein Foto, ein paar wenige medizinische Daten und die Adresse des Versicherten auf der Karte.
Trotzdem werden „Ärzte und Versicherte diese Milliarden schultern müssen – und das für ein Projekt, das keinen erkennbaren medizinischen Nutzen hat“, kritisiert Grauduszus, der mit dieser Meinung nicht allein dasteht: Mit ihm kommen fast alle ärztlichen Berufsverbände und immer mehr Patientenvereinigungen zu dem Schluss: „Die neue elektronische Gesundheitskarte muss gestoppt werden!“
|
Möchten Sie den Artikel zum Verteilen herunterladen? Klicken Sie hier! |
© änd Ärztenachrichtendienst Verlags-AG.
Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Eine Übernahme in andere Medien ist ohne
ausdrückliche schriftliche Genehmigung nicht gestattet.
|
Aus den Weblogs
|