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Der dumme Arzt: Neurophysiologische Aspekte (Addendum)

 
 
Autor:Frontier Psychiatrist
Datum:25.04.2005, 20:34 Uhr
 
       
  Zu Hypothese 2 (Ärzte leiden an einer Amygdalaaplasie):

Die Amygdala (Mandelkern) sind subkortikale Strukturen des Temporallappens, die entwicklungsgeschichtlich dem Paläokortex (dem Reptiliengehirn) zugeordnet werden. Ihr Input kommt aus vorverarbeiteten Sinneseindrücken und (assoziativ) aus dem Frontalhirn, sowie aus Thalamus, Hypothalamus und anderen subkortikalen Strukturen. Ihr Output reguliert in einer Rückkopplungsschleife die genannten Strukturen, die Basalganglien und den (für motivationales Verhalten wichtigen) N. accumbens. Die Amygdala enthalten alle wichtigen Neurotransmittersysteme (Serotonin in besonders hoher Konzentration) und Benzodiazepinrezeptoren.

Auffälligste und einheitliche Folge einer Läsion der Amygdala sind der Verlust aggressiver Verhaltensweisen, Hypersexualität und die Störung emotionaler und motivationaler Steuerung, während Wahrnehmung und kognitive Leistung nicht beeinträchtigt werden. Jede Angst gegenüber ursprünglich Angst auslösenden Reizen geht verloren, Affen mit zerstörten Amygdala beispielsweise nähern sich neugierig angstauslösenden Objekten, statt davor zu fliehen; eine Furchtkonditionierung ist nicht mehr möglich.

Insbesondere bei Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen die Amygdala ein geringeres Volumen (unspezifisch, auch bei schizophren Erkrankten und Zwangserkrankten), während sie bei Depressionen und Angsterkrankungen vergrößert sind.

Im Modell der frontobasalen Rückkopplungsschleifen wird angenommen, daß vergrößerte Amygdala Epiphänomene eines melancholisch-hyperstabilen Pols emotionaler Störung sind (depressive Stimmung, Antriebsverlust, Anhedonie, Abulie, depressive Angst, Grübeln), während verkleinerte Amygdala den hyperlabilen, psychotischen Pol darstellen (Dysphorie, Reizbarkeit, emotionale Instabilität, Impulsivität, psychotische Angst).


2. Hypothese (Addendum): Ärzte leiden an einer Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten (ICD10 F60.3).

Ärzte nähern sich neugierig und ungehemmt angstauslösenden Objekten (EBM2000 minus, Integrierte Verträge, DMP, KV; KBV 2005), bei gleichzeitig ungestörter Kognition (17.000 fünfstellige EBM-Ziffern in 3 Wochen). Aktuell werden zwei Arzt-Subtypen diskutiert: dabei sollen die hyperlabil-psychotischen gegenüber den melancholisch-hyperstabilen in der Minderzahl sein (FACHARZT.DE 2004, 2005).


Angeregt durch:
https://www.schattauer.de/zs/nhk/2005/2/pdf/050200
89.pdf

(Tebartz von Elst L.: Zur pathophysiologischen Bedeutung der Amygdala in der Affektregulation bei psychischen Störungen. Nervenheilkunde 2/2005:89)
 
 
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