Stolperstein Schwerbehindertengesetz – Eltern behinderter Kinder in den Fängen der Bürokratie

Eigentlich wäre alles ganz einfach: Für die Einstufung von Schwerbehinderungen gibt es bundesweit einheitliche Kriterien – die sogenannten AHPs des Bundesgesundheitsministeriums. Die Bundesländer aber müssen sich an diese Kriterien nicht halten und tun es häufig auch nicht. Die Mutter eines schwer herzkranken Kindes will sich das nicht länger gefallen lassen und kämpft dafür, dass die zuständigen Behörden Behinderungen einheitlich bewerten. Nachdem der Bundestag ihre Petition abgelehnt hat, wendet sie sich jetzt direkt an die Bundesregierung.

„Monatelang habe ich auf den Schwerbehindertenausweis meiner Tochter gewartet. Als er dann eintraf, war der Grad der Behinderung viel zu niedrig eingestuft“, erzählt Steffi Hahnl. Die Mutter einer schwer herzkranken Tochter ist eine von vielen, die mit den deutschen Behörden auf dem Kriegsfuß stehen. „Die Versorgungsämter halten sich beim Schreiben der Gutachten nicht an einheitliche Kriterien. Sie interpretieren den in medizinischer Sprache gehaltenen Bericht des Arztes oft falsch und stufen den Grad der Behinderung (GdB) nicht so ein, wie es der Krankheit entspricht. Das kommt den Betroffenen teuer zu stehen: denn je höher der GdB, desto höher auch die Ausgleichszahlungen. Das muss sich ändern!“, fordert Hahnl.

Die zweifache Mutter sammelt Unterschriften für ihre Petition „Eine gleichmäßige Beurteilung von Behinderungen im Schwerbehindertenausweis“, die sie der Bundeskanzlerin persönlich übergeben möchte. Sie will durchsetzen, dass sich alle 16 Bundesländer verbindlich an „Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht“ (AHPs) halten. Mehr als 400 Unterschriften hat sie schon beisammen und es sollen noch viel mehr werden. „Die Behörden machen sich das Leben eigentlich nur selber schwer. Würden sie sich an die AHPs halten, könnten sie die Gutachten leichter und schneller erstellen“, bringt Hahnl ihr Unverständnis zum Ausdruck.

15.06.2009 14:41:41, Autor: Nele Baumann / Januar – März 2009