Viren

Dengue und Japanisches Enzephalitis sind „Globalisierungs-Gewinner“

Virus-Infektionen sind die häufigste Ursache von Meningoenzephalitiden, sie führen weltweit zu etwa 17  Millionen Todesfällen pro Jahr. Immer häufiger kommt es in Europa zu Erlrankungsfällen durch Erreger, die von tropischen und subtropischen Stechmücken übertragen werden.

Hauptüberträger des Dengue-Virus ist die Mücke Aedes aegypti.
©claffra/Fotolia

Ein Grund dafür sind Klimaänderungen in Teilen Europas, so dass sich dort vermehrt die eigentlich in den Tropen- und Subtropen heimischen Stechmücken ansiedeln könne. Weitere Gründe sind Nahrungsimporte aus den Tropen und das Reiseverhalten.

Einzug in Europa halten laut der Neurologin Prof. Dr. Uta Meyding- Lamadé und ihrer Kollegin Eva Maria Craemer (Krankenhaus Nordwest GmbH, Frankfurt am Main) derzeit das Dengue- und Japanische Enzephalitisvirus. Bei zunehmender Globalisierung und Reisetätigkeit sei es möglich, dass Neurologen in der Notambulanz, der Klinik, aber auch Niedergelassene jederzeit mit Infektionskrankheiten aus der ganzen Welt konfrontiert würden, schreiben die beiden Autorinnen in einem aktuellen Übersichtsbeitrag.

Dengue-Viren (DENV) und das Japanische Enzephalitisvirus (JE-V) sind Flaviviren. Aufgrund des nahen Verwandtschaftsgrades der Flaviviren könne es zu Koinfektionen mit mehreren Arboviren kommen. Übertragen werden DENV und JE-V von Stechmücken der Gattung Aedes. Das DENV ist ein einzelstrangiges RNA-positives Virus mit vier bekannten Serotypen, DENV-1 bis DENV-4.

Die Dengue-Gesamtinzidenz ist laut Meyding- Lamadé und Craemer über die letzten 50 Jahre mehr als 30-fach gestiegen. 2016 seien in Deutschland 957 Fälle an das Robert-Koch- Institut (RKI) gemeldet worden, 2017 seien es 635 Fälle gewesen. Die jährliche Fallzahl werde auf rund 390 Millionen weltweit geschätzt. Eine Dengue-Infektion verlaufe meist klinisch leicht, oft sogar asymptomatisch. Die klassische Dengue-Trias sei kennzeichnet durch:

•    Fieber,

•    Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen,

•    Exanthem.

Üblicherweise komme es zu einem „plötzlichen Fieberanstieg. Kopfschmerzen, starken Muskel- und Gelenkschmerzen, Bradykardie, Hypotension und Lymphknotenschwellung“. Teilweise gebe es einen zweiten Fiebergipfel mit einem Ganzkörperexanthem sowie Petechien. Regelmäßig trete eine Begleithepatitis mit mäßiger Transaminasenerhöhung auf. Bei etwa zehn Prozent der Erkrankten komme es auch zu einer Enzephalitis. Besonders in dieser Gruppe zeige sich nach Ablauf der akuten Erkrankung häufig eine ausgeprägte Abgeschlagenheit für mehrere Wochen. Schwerere Verläufe sind das hämorrhagisches Denguefieber („dengue hemorrhagic fever“, DHF) und das Dengue-Schock-Syndrom (DSS), meist mit letalem Ausgang. DHF und DSS sind klassische Zweitinfektionen. Eine Schutzimpfung mit dem tetravalenten Lebendimpfstoff Dengvaxia ist für Deutschland nicht zugelassen, seit 2015 hingegen für endemische Regionen.

Das JE-V wird durch den Stich einer infizierten Culex-Mücke übertragen. Die JE tritt nach Angaben der beiden Autorinnen hauptsächlich in der Nähe landwirtschaftlicher Betriebe auf, da für die Mücken Reisfelder ideale Brutplätze und Nutztiere ein wichtiges Virusreservoir sind. Die Inkubationszeit betrage ungefähr 5 bis 15 Tage. Im ersten virämischen Stadium seien die Symptome uncharakteristisch: Fieber, Halsschmerzen, respiratorische Symptome, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Sehr rasch entwickelten sich zentralnervöse Symptome wie Kopfschmerzen, Somnolenz oder auch gesteigerte Erregbarkeit mit Halluzinationen, Meningismus, Paresen, Krämpfe und Koma. Eine ausgeprägte Enzephalitis könne wenige Tage, aber auch mehrere Wochen andauern. Die Rekonvaleszenz erstrecke sich über Wochen bis zu mehrere Monate mit Konzentrationsschwäche, rascher Ermüdbarkeit, Persönlichkeitsveränderungen und zum Beispiel Tremor.

Bei etwa einem Viertel der Enzephalitis-Patienten blieben keine neurologischen Schäden zurück, 25 Prozent stürben sehr rasch, die Hälfte der Patienten überlebe mit unterschiedlichen Schweregraden an neurologischen und psychiatrischen Symptomen.

Zur Diagnostik stehe ein Antikörper-Schnelltest zur Verfügung; nekrotische Schäden im Thalamus und den Basalganglien könnten mittels CT oder MRT diagnostiziert werden. Eine spezielle Therapie geben es auch für die JE nicht, auch hier werde symptomatisch behandelt. Für das JE-V ist ein Impfstoff auch in Deutschland zugelassen.

01.10.2018 13:04:48, Autor: Dr. med. Thomas Kron