Darmkrebs

Gesunder Lebensstil soll auch bei genetisch leicht erhöhtem Risiko schützen

Mit einem gesunden Lebensstil kann nach Angaben von Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums jeder Mensch sein Darmkrebsrisiko senken. Die Forscher konnten zeigen, dass Nichtrauchen, geringer Alkoholkonsum, gesunde Ernährung, ausreichend körperliche Aktivität und normales Körpergewicht auch jene Menschen vor Darmkrebs schützen können, die ein genetisch bedingt leicht erhöhtes Risiko dafür haben. Dies zeigt eine Untersuchung von mehr als 4.000 Darmkrebs-Patienten und 3.000 gesunden Personen („Gastroenterology“).

Die Empfehlung, auf eine gesunde Lebensweise zu achten, gilt für jeden Menschen, unabhängig von seinem genetischen Darmkrebsrisiko, so das Fazit der Wissenschaftler.
© bit24/Fotolia.com

Dr. Michael Hoffmeister und seine Kollegen vom DKFZ analysierten die Auswirkungen von fünf beeinflussbaren Lebensstilfaktoren: Rauchen oder Nichtrauchen, hoher oder geringer Alkoholkonsum, ungesunde oder gesunde Ernährung, wenig oder viel körperliche Aktivität und Übergewicht oder Normalgewicht.

„Je mehr der gesunden Lebensstilfaktoren die Studienteilnehmer auf sich vereinten, desto niedriger war ihr Risiko, an Darmkrebs zu erkranken“, berichtet Hoffmeister in einer Meitteilung des DKFZ. So hatten zum Beispiel Teilnehmer, die nicht rauchten, sich gesund ernährten und körperlich aktiv waren, bereits ein niedrigeres Darmkrebsrisiko als Teilnehmer, die sich bei keinem der fünf Lebensstilfaktoren an die gesunde Variante hielten. Wer aber einen durchweg gesunden Lebensstil pflegte, sprich alle fünf Lebensstilfaktoren beherzigte, hatte das niedrigste Darmkrebsrisiko.

Die fünf Lebensstilfaktoren erwiesen sich als etwa gleich bedeutend in der Darmkrebsprävention. „Es spielte eine untergeordnete Rolle, ob es das Nichtrauchen, die gesunde Ernährung oder die körperliche Aktivität war, die beherzigt wurden. Mit allen Varianten reduzierten die Studienteilnehmer ihr Darmkrebsrisiko“, ergänzt Dr. Prudence Carr, die Erstautorin dieser Studie.

Konsequenzen für das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, hat allerdings auch die genetische Ausstattung. In den vergangenen Jahren wurden mehr als 50 Genvarianten entdeckt, die das Darmkrebsrisiko leicht erhöhen. „Es gibt Menschen, die aufgrund ihres genetischen Profils ein etwas höheres Risiko haben, an Darmkrebs zu erkranken als andere. Doch unsere Studie zeigt, dass sie ihr Darmkrebsrisiko durch einen gesunden Lebensstil ebenso senken können wie diejenigen, die ein geringeres genetisches Risiko haben“, betont Carr.

Der Zusammenhang zwischen Lebensweise und Darmkrebsrisiko bestand auch unabhängig von der familiären Vorgeschichte der Studienteilnehmer. Es spielte auch keine Rolle, ob sie in der Vergangenheit schon einmal eine Darmspiegelung gehabt hatten oder nicht. Die Empfehlung, auf eine gesunde Lebensweise zu achten, gelte somit für jeden Menschen, unabhängig von seinem genetischen Darmkrebsrisiko.

In weiteren Studien möchten die DKFZ-Wissenschaftler nun untersuchen, wie stark sich trotz eines leicht erhöhten genetischen Risikos durch mehrere vorbeugende Maßnahmen das Darmkrebsrisiko senken lässt – beispielsweise durch einen gesünderen Lebensstil und Vorsorgeuntersuchungen.

Trotz großer Fortschritte bei Prävention und Früherkennung ist Dickdarmkrebs weiterhin eine der häufigsten Krebserkrankungen weltweit. 2018 werden in Deutschland laut Schätzung der deutschen epidemiologischen Krebsregister und des Zentrums für Krebsregisterdaten im Robert-Koch-Institut 33.000 Männer und 26.000 Frauen an einem kolorektalen Karzinom erkranken.

17.09.2018 13:38:45, Autor: Dr. med. Thomas Kron