Online-Befragung

Fast jeder vierte Arzt trinkt zu viel

Fast ein Viertel aller Ärzte in Deutschland konsumiert Alkohol in gefährlichen Mengen. Risikofaktoren sind Kinderlosigkeit, lange Arbeitszeiten und die Tätigkeit als Assistenzärztin oder in chirurgischen Fächern. Das zeigt eine groß angelegte Online-Befragung von Wissenschaftlern des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München.

Kinderlosigkeit stellte für Ärzte beider Geschlechter und die Position als Assistenzärztin bei den Frauen einen Risikofaktor für gefährlichen Alkoholkonsum dar.
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Untersucht wurden Gesundheitsverhalten und Suchtmittelkonsum von Ärzten. Die Studie, ein Gemeinschaftsprojekt von Prof. Florian Eyer, Abteilung für Klinische Toxikologie, Dr. Dominik Pförringer und Regina Mayer, Klinik für Unfallchirurgie, ist im „Journal of Occupational Medicine and Toxicology“ erschienen.

Aus früheren Befragungsstudien war bekannt, dass gefährlicher Suchtmittelkonsum unter Ärzten in Deutschland keine Seltenheit darstellt. Es fehlten jedoch aktuelle Angaben zur Häufigkeit von sowie systematische Untersuchungen zu potentiellen Einflussfaktoren (Alter, Geschlecht, Position, Einrichtung, Fachrichtung, Arbeitszeit), um Risikogruppen definieren zu können.

Der Online-Fragebogen umfasste 42 Positionen und wurde an 38 Universitätskliniken, 296 Lehrkrankenhäuser und 1290 Niedergelassene in Deutschland, Österreich und der Schweiz versandt. Darin wurden Fragen zu riskantem Verhalten, dem Konsum von Alkohol und anderen Substanzen sowie demographischen und beruflichen Eigenschaften gestellt.

Von 1338 Rückmeldungen konnten 920 vollständig ausgefüllte Fragebögen ausgewertet werden. 90 Prozent der Ärzte empfanden ihren Gesundheitszustand als mindestens zufriedenstellend. Bei 23 Prozent aller Ärzte lag ein gefährlicher Alkoholkonsum vor, fünf Prozent litten ihren Angaben nach unter einer mittleren bis hohen Nikotinabhängigkeit, acht Prozent unter Adipositas.

Kinderlosigkeit stellte für Ärzte beider Geschlechter und die Position als Assistenzärztin bei den Frauen einen Risikofaktor für gefährlichen Alkoholkonsum dar. Ebenso war dies für eine wöchentliche Arbeitszeit über 50 Stunden und die Tätigkeit in einer chirurgischen Fachrichtung der Fall. Des Weiteren gingen Männer in chirurgischen Fachrichtungen signifikant seltener zu Vorsorgeuntersuchungen.

Handlungsbedarf sehen die Autoren bezüglich einer Verbesserung der primären Prävention. Ziel sollte die Identifikation von und frühzeitige Intervention bei besonders gefährdeten Gruppen sein.


04.09.2018 09:28:17, Autor: ks