RICHTIG MESSEN

Was Sie bei der Blutdruckmessung zu Hause beachten müssen

© Teodor Lazarev/Fotolia.com

„Jetzt messe ich noch mal schnell Ihren Blutdruck.“ Allein die anstehende Messung in der Arztpraxis lässt bei vielen Patienten die Blutdruckwerte vor Aufregung kräftig in die Höhe klettern und führt daher zu keinen aussagekräftigen Werten. „Weißkittelhochdruck“ nennen Mediziner dieses weitverbreitete Phänomen und empfehlen daher immer öfter, dass diese Patienten ihren Blutdruck in Eigenregie zu Hause kontrollieren. Worauf es dabei ankommt, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Gehören Sie auch zu denjenigen, bei denen Puls und Blutdruck bereits in Wallung geraten, sobald der Arzt oder das Praxispersonal Ihren Blutdruck messen möchten? Bei bis zu einem Fünftel der in Arztpraxen untersuchten Patienten ist genau dies nämlich der Fall. Die sogenannte Erwartungsangst vor der Messung treibt bei vielen Menschen nicht nur den Puls um bis zu 20 Schläge pro Minute nach oben, sondern auch den Blutdruck um nennenswerte 30 bis 40 mmHg (so lautet die Messeinheit). Diese hohe Spannbreite kann durchaus darüber entscheiden, ob jemand an einem behandlungsbedürftigen Bluthochdruck – im Fachjargon: Hypertonie – leidet oder einfach vor der Messung in der Arztpraxis so aufgeregt ist, dass der Blutdruck dann mal kurz und in der Regel absolut unbedenklich nach oben ausschlägt.


Tipp

Faustregel: Selbst gemessene Blutdruckwerte sollten bei Erwachsenen Werte von 135/85 mmHg möglichst nicht überschreiten! Aber dennoch gibt es natürlich individuelle Ausnahmen. Klären Sie daher unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt, bei welchen selbst gemessenen Blutdruckwerten (möglicherweise sogar schnelle) medizinische Hilfe notwendig ist oder wie Sie auf nach oben oder unten ausufernde Werte reagieren sollen.

Blutdruckkontrolle in Eigenregie

Nicht nur in solchen Fällen raten viele Mediziner daher zu einer regelmäßigen Blutdruckkontrolle in den eigenen vier Wänden. In manchen Fällen gibt es ein Blutdruckmessgerät für die heimische Messung sogar auf Rezept. Patienten mit medikamentös schwer einstellbarem Bluthochdruck gehören beispielsweise dazu. Die Kosten für das Messgerät übernimmt dann in der Regel die Krankenkasse, abzüglich der gesetzlichen Eigenbeteiligung. Einlösen können Sie das Rezept in niedergelassenen Apotheken und Sanitätshäusern – bei einem geplanten Onlinekauf sollten Sie vorher sicherheitshalber mit Ihrer Kasse die Kostenübernahme klären!

Wer sich selbst ein Gerät anschaffen möchte, findet eine Übersicht mit Prüfsiegel versehener Geräte bei der Deutschen Hochdruckliga: https://www.hochdruckliga.de/messgeraete-mit-pruefsiegel.html. Für deutlich unter 50 Euro gibt es bereits gute und zuverlässig arbeitende Blutdruckmessgeräte.

Richtig messen – so gehts

Blutdruck selbst messen ist nicht schwer! Ein paar Dinge sollten Sie dabei jedoch beherzigen, damit das Ergebnis möglichst genau ausfällt:

  • Das passende Blutdruckmessgerät auswählen
    Zu kleine Messmanschetten für die Messung am Oberarm vermitteln mitunter falsche Werte. Die Manschette sollte idealerweise zwei Drittel der Oberarmlänge bedecken. Deutlich übergewichtige Personen mit großem Armumfang benötigen möglicherweise eine längere Manschette als die übliche Standardgröße, um richtig messen zu können. Messgeräte für das Handgelenk punkten mit einer besonders einfachen Handhabung, sind aber anfälliger für Fehlmessungen.

  • Sich mit dem Gerät vertraut machen
    Lesen Sie genau die Gebrauchsanweisung und bitten Sie in Apotheke oder Sanitätshaus um eine kurze Einweisung.

  • Die richtige Messzeit wählen
    Messen Sie Ihren Blutdruck idealerweise morgens und abends vor der Einnahme blutdrucksenkender Medikamente.

  • Ruhig Blut vor der Messung
    Setzen Sie sich vor der Messung fünf Minuten entspannt hin und schlagen Sie dabei die Beine nicht übereinander (das steigert die Blutdruckwerte).

  • Das Messgerät richtig anlegen
    Oberarmmessungen funktionieren auch durch ein dünnes Hemd oder eine Bluse, am zuverlässigsten sind jedoch Messungen am nackten Arm. Dickere Oberbekleidung wie Strickjacken und Pullover sollten Sie jedoch vorher unbedingt ausziehen und keinesfalls nur hochkrempeln.

    Legen Sie die Manschette fest, aber nicht zu straff an. Der aufblasbare Teil sollte sich dabei an der Innenseite des Oberarms befinden und es sollte noch ein Finger unter die Manschette passen.

    Perfekte Position: zwei Fingerbreit oberhalb der Ellenbogenbeuge, also in Herzhöhe. Am besten legen Sie den Arm zur Messung auf einem Tisch ab.

  • Am richtigen Arm messen und die Werte aufschreiben
    Kein Arm ist gleich. Der Blutdruck ist bei den meisten Menschen daher an beiden Armen unterschiedlich. Wählen Sie zur Blutdruckmessung daher immer den Arm mit den höheren Messwerten. Notieren Sie die gemessenen Werte und überprüfen Sie die Zuverlässigkeit Ihres Messgerätes anhand gelegentlicher Kontrollmessungen in Ihrer Arztpraxis oder Apotheke.



durchblick gesundheit • Ausgabe 61 • Juli–September 2018

30.08.2018 11:19:54, Autor: Jutta Heinze