Klinikum Dortmund

Wirbelsäulenchirurg mahnt: „Immer öfter wird viel zu früh am Rücken operiert“

In deutschen Krankenhäusern werden Patienten offenbar oft voreilig an der Wirbelsäule operiert. Das beklagt der Direktor der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie im Klinikum Dortmund.

Allein die Zahl der komplexen Revisionseingriffe habe im Klinikum Dortmund um 20 Prozent zugenommen.
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Vor sechs Jahren gründete das Klinikum Dortmund ein Zweitmeinungszentrum. Seitdem wächst jedes Jahr die Zahl der Anfragen. Allein fürs erste Halbjahr 2018 sei der Wert – verglichen mit dem Vorjahreszeitraum – um 15 Prozent auf 236 Zweitmeinungswünsche gestiegen, heißt es in einer Klinik-Mitteilung.

80 Prozent der Anfragen richteten sich an die Orthopädie. Es gehe dabei in erster Linie um Erkrankungen an Knie, Hüfte und Wirbelsäule. Vor allem bei Rückenleiden zeichne sich eine alarmierende Entwicklung ab.

„Wir stellen fest, dass bei jedem zweiten Patienten, der sich in der Sprechstunde des Wirbelsäulenzentrums im Klinikum Dortmund eine zweite Meinung einholt, in seiner Vergangenheit zu früh oder unzureichend operiert wurde. Oft wurden dabei die konservativen Möglichkeiten, also etwa spezifische Krankengymnastik oder Schmerztherapie nicht vollends ausgeschöpft“, sagt. Dr. Kevin Tschöke, Direktor der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie im Klinikum Dortmund.

Allein die Zahl der komplexen Revisionseingriffe habe im Klinikum Dortmund um 20 Prozent zugenommen; dabei handele es sich um Korrektureingriffe aufgrund nachträglicher Komplikationen bei Patienten, die zuvor in einem anderen Krankenhaus operiert worden seien.

Tschökes Erklärung. „Der Erfolg einer Therapie steht und fällt mit der richtigen Diagnose und einer konsequenten Umsetzung des geplanten Verfahrens.“ Dazu wiederum seien viel Erfahrung und eine entsprechende Infrastruktur für diese teils sehr komplexen Krankheitsbilder nötig, die nicht jedes Haus vorhalte, das solche Eingriffe aber dennoch vornehme.

18.07.2018 15:46:33, Autor: mm