Studie

Mehr Kaffee, mehr Lebensjahre?

Kaffeetrinker leben länger. Diese für Anhänger des „Schwarzen Goldes“ erfreuliche Botschaft ist schon oft verkündet worden - zumeist mit Verweis auf eine Beobachtungsstudie. Eine weitere große populationsbasierte Studie spricht nun ebenfalls für die Vermutung.

Bei Kaffee-Trinkern war die Mortalitätsrate geringer als bei Menschen, die keinen Kaffee tranken.
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Danach geht der Genuss von Kaffee mit einer geringeren Sterblichkeit einher, auch bei starkem Konsum und unabhängig davon, ob koffeinhaltig oder nicht („JAMA Internal Medicine“). Ausgewertet wurden Daten der UK Biobank von über neun Millionen Menschen. Zu knapp 500.000 Menschen lagen genügend Informationen zum Kaffee- und auch Nikotin-Konsum vor.

387.494 Menschen waren Kaffee-Trinker, die übrigen 110.640 Menschen wurden einer Kontroll-Gruppe zugeordnet. Keine Teilnehmerin war schwanger. Berücksichtigt wurden auch vier genetische Polymorphismen. die Einfluss auf den Koffein-Stoffwechsel haben.

Die statistischen Berechnungen ergaben eine mit steigendem Kaffee-Konsum abnehmende Mortalität. Die relative Risikoreduktion betrug bei einen Konsum von einer Tasse Kaffee pro Tag acht Prozent, bei vier und fünf Tassen zwölf Prozent und bei acht oder mehr Tassen 14 Prozent. Die Art des Kaffees (mit Koffein und ohne) schien dabei keine wesentliche Rolle zu spielen. Auch der Koffein-Metabolismus habe den Ergebnissen zufolge keine Bedeutung gehabt, berichten die US-Autoren, der Studie, die von den „National Institutes of Health“ finanziert wurde.

Meldungen zu angeblich gesundheitlichen Effekten der „Bürodroge“ Kaffee wecken bekanntlich immer wieder Aufmerksamkeit. Das ist nicht verwunderlich, denn Kaffee gehört weltweit, auch in Deutschland, zu den beliebtesten Getränken. Um die sieben Kilogramm Kaffee verbraucht jeder Deutsche jährlich, knapp zwei Tassen beträgt der tägliche Konsum pro Kopf. 2016 tranken rund zwei Drittel der Bundesbürger regelmäßig Filter-Kaffee. Zum Vergleich: In Tschechien betrug dieser Anteil nicht einmal 20 Prozent. Kaffee sei uns Tröster und Muntermacher, Freund und Begleiter, Seelsorger und Freudenspender“, heißt es etwas werbend-pathetisch im Kaffeereport 2017 von Tchibo.

Darüber hinaus werden dem „Schwarzen Gold“ und seinen zahlreichen Inhaltsstoffen immer wieder auch einige positive gesundheitliche Effekte zugeschrieben, etwa bei neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankung.

Regelmäßiger Kaffee-Konsum könne sogar vor tödlichem Leberversagen schützen, und zwar HIV-Patienten, die auch mit dem Hepatitis C-Virus infiziert seien, meldeten die Autoren einer französischen Kohortenstudie im „Journal of Hepatology“.

Der tägliche Konsum von mindestens drei Tassen sei bei den rund 1000 ko-infizierten Studienteilnehmern mit einer signifikanten Reduktion der Gesamt-Mortalität um 50 Prozent einhergegangen, berichteten Dr. Maria Patrizia Carrieri von der Universität Marseille und ihre Mitautoren.

Kaffee-Konsum sei mit einer geringeren Gesamt-Sterberate assoziiert, lautete auch die Hauptbotschaft von zwei anderen Beobachtungsstudien, die im August 2017 im Fachblatt „Annals of Internal Medicine“ erschienen. In der einen Studie werteten Wissenschaftler der „International Agency for Research on Cancer“ und des „Imperial College London“ die Daten von 520.000 Personen aus zehn Ländern aus, die an der prospektiven Kohorten-Studie EPIC teilnahmen.

Ergebnis der Daten-Auswertung bei einer mittleren Beobachtungszeit von 16,4 Jahren: Bei Kaffee-Trinkern war die Mortalitätsrate geringer als bei Menschen, die keinen Kaffee tranken. Am geringesten war die Sterberate bei jenen Teilnehmern, die täglich drei oder mehr Tassen Kaffee zu sich nahmen. Kaffee-Trinker starben vor allem seltener an Erkrankungen des Verdauungstraktes und des Kreislaufssystems. In der zweiten Studie analysierten US-Forscher die Daten von über 185.000 Afro-Amerikanern, Amerikanern japanischer Abstammung, Latein-Amerikanern und auf Hawai geborenen Personen.

Die mittlere Beobachtungszeit betrug auch hier rund 16 Jahre. Ebenso wie die Autoren der ersten Studie stellten die US-Wissenschaftler eine inverse Beziehung zwischen Menge des Kaffee-Konsums und der Gesamt-Mortalität fest. So starben Kaffee-Trinker seltener an Herz- und Nieren-Krankheiten, an Tumoren, Diabetes mellitus, Schlaganfällen sowie chronischen Erkrankungen der unteren Atemwege. Auch hier wurden keine relevanten Unterschiede zwischen Menschen festgestellt, die koffein-haltigen Kaffee tranken, und Menschen, die koffein-freien bevorzugten.

Ein protektiver Effekt des Getränkes sei biologisch durchaus plausibel, schrieben Professor Eliseo Guallar und seine Mitautoren der „Johns Hopkins University“ in einem begleitenden Kommentar. Beide Beobachtungsstudien bewiesen allerdings nicht, dass Kaffee das Leben verlängere, betonten die Autoren. Aber immerhin sprechen die Daten der vorliegenden Studien nicht gegen die Annahme, dass maßvoller Kaffee-Konsum unbedenklich für die Gesundheit ist.

06.07.2018 11:46:03, Autor: Dr. med. Thomas Kron