Jodmangel

Wissenschaftler warnen vor Folgen für die Intelligenz von Kindern

Wissenschaftler befürchten, dass bis zu 50 Prozent aller Neugeborenen in Europa aufgrund von Jodmangel in der Gehirnentwicklung beeinträchtigt sind. Die Wissenschaftler des EU-geförderten Projektes EUthyroid und mehrere Interessengruppen fordern daher in der heutigen Krakauer Erklärung zu Jod Entscheidungsträger in Europa auf, jetzt politische Maßnahmen zu treffen, die dem Jodmangel entgegenwirken.

Trotz der essentiellen Rolle von Jod wissen die meisten werdenden Müttern nichts von den negativen Folgen von Jodmangel für ihre Kinder.
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In Krakau präsentieren in dieser Woche europäische Wissenschaftler aus 27 Ländern ihre Ergebnisse zu dem derzeitigen Stand von Jodmangelerkrankungen, die innerhalb des Projekts EUthyroid (Projektnummer: 634453) entstanden sind, das vom Horizon2020-Forschungs- und Innovationsprogramm gefördert wurde.

Trotz der essentiellen Rolle von Jod wissen die meisten werdenden Müttern nichts von den negativen Folgen von Jodmangel für ihre Kinder. Wissenschaftler warnen, dass trotz der existierenden freiwilligen Programme zur Jodanreicherung in vielen europäischen Ländern bis zu 50 Prozent aller Neugeborenen einem leichten Jodmangel ausgesetzt sind. Folglich bestehe das Risiko, dass diese Kinder ihr kognitives Entwicklungspotenzial nicht voll ausschöpfen könnten und beispielsweise Lernprobleme in der Schule durchmachten, heißt es in einer Mitteilung. Zusätzlich bestehe die Gefahr, dass niedrigere IQ-Werte in Teilen der Bevölkerung die Wirtschaftsleistung ganzer Nationen beeinträchtigten.

Über die Gehirnentwicklung hinaus belasten die vielfältigen Auswirkungen von Jodmangel die öffentlichen Gesundheitssysteme. Obwohl diese Auswirkungen bekannt seien, ignorierten politische Entscheidungsträger, Meinungsführer und die Bevölkerung Präventionsprogramme für Jodmangelerkrankungen in Europa weitgehend. Dabei stellten jodierte Lebensmittel eine etablierte und kosteneffiziente Maßnahme dar, um Jodmangel zu begegnen. Seit Jahrzehnten fordere die WHO eine regelmäßige Kontrolle der Jodversorgung in der Bevölkerung als einen wichtigen Schritt um den Jodmangel in Europa zu erheben und zu beseitigen. Dennoch erfüllten nur acht Länder in der EU diese minimale Anforderung.

Die „Kraków Declaration on Iodine“ enthält folgende Forderungen:

• Einheitliche Präventionsmaßnahmen: Verantwortliche in Industrie und Handel, sowie politische Entscheidungsträger sollten die Salzjodierung vereinheitlichen, um einen freien Handel mit Jod-angereicherten Lebensmitteln in Europa zu gewährleisten. Jodiertes Tierfutter sollte ebenso eine behördliche Zulassung bekommen, um den freien Handel innerhalb der EU sicherzustellen.

• Kontrolle der Präventionsmaßnahmen: Nationale Regierungen und Gesundheitsbehörden müssen in regelmäßigen Abständen eine einheitliche Überwachung und Evaluierung von Jodierungsprogrammen durchführen, um eine optimale Jodversorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

• Unterstützung der Präventionsmaßnahmen: Wissenschaftler sollten zusammen mit Vertretern des Gesundheitswesens, Patientenorganisationen, der Industrie und der Öffentlichkeit die notwendigen Präventionsmaßnahmen unterstützen. Nur so wird sichergestellt, dass geeignete Maßnahmen in einer sich rasch verändernden Gesellschaft getroffen werden, um effektiv Jodmangelerkrankungen zu verhindern. Zudem sollte das Wissen um Jodmangelerkrankungen durch geeignete Informationskampagnen weitergegeben werden.

Die Unterzeichner der Kraków Declaration on Iodine fordern alle Akteure in Europa und weltweit auf, Ressourcen und Fachwissen zu bündeln, um Jodmangel zu beseitigen. Unterzeichnen Sie die Erklärung, um sicherzustellen, dass durch eine ausreichende Jodversorgung zukünftige Generationen den Start in ein gesundes Leben erhalten und ihr volles Potenzial verwirklichen können.

Das Projekt EUthyroid verbindet 31 Partner aus 27 Ländern und wird mit einem Budget von 3 Mio. € einen wesentlichen Beitrag zur Analyse des Status quo der Prävention jodmangelbedingter Schilddrüsenerkrankungen in Europa leisten. Nur 67 der knapp 2.200 Forschungsanträge, die bei der ersten Ausschreibung des neuen Rahmenprogramms der Europäischen Kommission Horizon2020 eingereicht wurden, waren erfolgreich. Das Forschungskonsortium „EUthyroid - Towards a euthyroid Europe!“ zählt dazu.

Das Iodine Global Network (IGN) verbindet mehr als 100 regionale und nationale Koordinatoren und Partnerorganisationen, die sich weltweit gegen Jodmangel engagieren. Die IGN arbeitet eng mit der WHO und UNICEF zusammen und unterstützt öffentliche, private, wissenschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure bei der Entwicklung und Durchführung globaler und nationaler Programme zur Prophylaxe von Schilddrüsenerkrankungen.

18.04.2018 10:31:46, Autor: Dr. med. Thomas Kron