Krankenkassen-Umfrage

Versicherte sind zufrieden mit ihren Ärzten

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Die meisten Befragten stellen ihren Ärzten Bestzeugnisse aus. Das zeigt, so sagen die Kassen, dass es keine Besserbehandlung Privatversicherter in Deutschland gebe. Trotzdem machen die Kassen einen für die flächendeckende Versorgung brisanten Vorschlag.

Es sind Zufriedenheitswerte, von denen viele Berufe nur träumen können. Und sie bedeuten umso mehr, als sie kürzlich vom Verband der Ersatzkassen (vdek) veröffentlicht wurden, der nicht dafür bekannt ist, besonders schonend mit der Ärzteschaft umzugehen. Doch die Umfrage, die vom renommierten Umfrageinstitut Forsa durchgeführt und nun vom vdek präsentiert wurde, ließ keinen Zweifel: Die allermeisten Patienten fühlen sich von ihren niedergelassenen Fach- und Hausärzten gut behandelt. 96 Prozent der Befragten, die in den zurückliegenden zwei Jahren einen Hausarzt aufgesucht haben, waren demnach zufrieden oder sehr zufrieden mit der Behandlung, bei den Fachärzten waren es 88 Prozent. „Die generelle Zufriedenheit der Bevölkerung mit der medizinischen Versorgung ist hoch“, fasste die vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner zusammen. Die Umfrage zeige zudem, dass Patienten in der privaten Krankenversicherung (PKV) nicht besser behandelt würden, wie oft behauptet. „Es gibt keine Zweiklassenmedizin“, betonte Elsner.

Für die Umfrage interviewte Forsa im Dezember 1.000 Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). 85 Prozent von ihnen zeigten sich sehr zufrieden oder zufrieden mit der medizinischen Versorgung in Deutschland. Sowohl in den verschiedenen Altersklassen als auch zwischen den Geschlechtern gab es dabei kaum Unterschiede, wobei die älteren und weiblichen Patienten tendenziell etwas weniger zufrieden waren. Befragt nach den GKV-Leistungen, die sie besonders schätzten, gab eine überwältigende Mehrheit, jeweils weit über 90 Prozent, die kostenfreie Familienversicherung an, zudem das Mutterschafts- und das Krankengeld.

Sehr wohl Unterschiede zeigte die Befragung allerdings bei den Versicherten in den einzelnen Regionen. Während in den Städten 95 Prozent angaben, dass die nächste Hausarztpraxis für sie gut erreichbar sei, waren es in den ländlichen Gebieten nur 85. Noch deutlicher waren die Unterschiede bei den Fachärzten: Hier sagten nur 47 Prozent in den ländlichen Gegenden, schnell genug einen Facharzt zu erreichen, bei den Hausärzten immerhin 82 Prozent.

Überraschen konnten diese Ergebnisse indes nicht: Denn seit sehr vielen Jahren geht die Zahl der niedergelassenen Ärzte auf dem Land kontinuierlich zurück, bei den Fach- noch mehr als bei den Hausärzten. Die Folge sind überfüllte Praxen und oft über das Limit hinaus arbeitende Praxen – was den Trend noch verstärkt, dass immer weniger Ärzte in ländlichen Regionen eine Praxis eröffnen wollen. Dazu kommt, dass Mehrarbeit für Ärzte von der GKV in aller Regel nicht honoriert wird: Grund ist die „Budgetierung“, die Ärzten nur bis zu einem gewissen Maße ihre Leistungen vergütet, mit dem Argument, es sollten unnötige „Leistungsausweitungen“ verhindert werden. Ein Konzept, das nach Überzeugung der Ärzteschaft die Niederlassung noch unattraktiver macht.

Vor diesem Hintergrund musste die Forderung, die vdek-Chefin Elsner bei der Präsentation der Umfrage erhob, für die Ärzteschaft geradezu wie ein Brandbeschleuniger anmuten. Da rund jeder vierte Versicherte über zu lange Wartezeiten in Praxen und bei Terminvergaben klagte, forderte Elsner nämlich die Praxisärzte auf, mehr Sprechstunden anzubieten. „Nicht die medizinische Behandlung, sondern die Wartezeiten sind das eigentliche Problem“, meinte sie. „Das muss auf den Prüfstand.“ Zum Hintergrund: Im Bundesmantelvertrag Ärzte ist festgelegt, dass niedergelassene Ärzte in Vollzeit mindestens 20 Sprechstunden pro Woche anbieten müssen. Hierbei ist einberechnet, dass ein großer Teil der ärztlichen Tätigkeit aus Bürokratie, Verwaltungstätigkeiten und Notdiensten besteht. Die 20 Stunden sind dabei sowieso meist nur eine theoretische Zahl. So zeigen Umfragen, unter anderem von der GKV, dass Ärzte in aller Regel wesentlich mehr als 20 Sprechstunden anbieten. Die Wochenarbeitszeiten liegen dabei, vor allem auf dem Land, oft jenseits der 50 Stunden.

Was nichts daran änderte, dass kurz nach dem vdek auch der GKV-Spitzenverband forderte, die Sprechstundenzeiten für niedergelassene Ärzte zu erhöhen, konkret von 20 auf 30 Wochenstunden. Man könne ja über so etwas reden, kommentierte das Dr. Dirk Heinrich, der Chef des Spitzenverbands der Fachärzte in Deutschland. Allerdings müsse dann auch die Budgetierung abgeschafft werden. „Es werden heute 15 bis 20 Prozent der durch niedergelassene Fachärzte für GKV-Patienten erbrachten Leistungen nicht vergütet“, sagte Heinrich. „Dieser Zustand muss erst beendet werden.“



Quelle: © Kassenärztliche Bundesvereinigung – Wartezeiten in der ambulanten Versorgung

durchblick gesundheit • Ausgabe 60 • April–Juni 2018

03.05.2018 11:19:43, Autor: Thomas Trappe