Schlafstörungen und Alzheimer

PET-Befunde stärken Verdacht auf engen Zusammenhang

Erneut liefert eine Studie Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Alzheimer: Tagesschläfrigkeit ging bei älteren Menschen ohne Demenz mit einem regionalen Beta-Amyloid-Akkumulation einher, wie Untersuchungen mit der PiB-PET (Pittsburgh compound B) ergaben („JAMA Neurology“). Die Autoren vermuten, dass die Tagesschläfrigkeit für die Akkumulation von Beta-Amyloid anfällig mache. Eine frühe Identifizierung der gefährdeten Personen und eine Therapie der Schlafstörung könnte der Amyloid-Ansammlang möglicherweise entgegenwirken.

Ein Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Demenz wird seit mehreren Jahren diskutiert. Erst vor wenigen Jahren hat eine mit über 190.000 US-Veteranen recht große achtjährige Kohorten-Studie bestätigt, dass es hier einen Zusammenhang gibt.
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Für die Studie an der Mayo-Klinik konnten drei PET-Befunde von 238 über 70-Jährigen ohne Demenz ausgewertet werden; 63 von ihnen litten an Tagesmüdigkeit (Epworth Sleepiness Scale score mindestens 10). PET-Untersuchungen wurden zu Beginn der Studie und dann noch zweimal im Zeitraum Januar 2009 bis Ende Juli 2016 gemacht. Die Auswertung der PET-Befunde ergab einen klaren Zusammenhang zwischen Tagesmüdigkeit zu Beginn der Studie und nachfolgender Akkumulation von Beta-Amyloid in bestimmten Hirnregionen (Gyrus cinguli, Precuneus).

Ein Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Demenz wird seit mehreren Jahren diskutiert. Erst vor wenigen Jahren hat eine mit über 190.000 US-Veteranen recht große achtjährige Kohorten-Studie bestätigt, dass es hier einen Zusammenhang gibt. Die retrospektive Studie wurde bei einer internationalen Alzheimer-Konferenz in Kopenhagen vorgestellt.

Rund 7,5 Prozent der Veteranen waren von irgendeiner Art Schlafstörung betroffen. Das Hauptergebnis in Kürze: Während der Beobachtungszeit traten kognitive Störungen und Demenz-Symptome bei jenen mindestens 55-jährigen Teilnehmern vermehrt auf, die unter Schlafstörungen litten - und zwar bei 10,6 im Vergleich zu 9,0 Prozent. Die statistische Auswertung ergab eine Risiko-Zunahme von 30 Prozent (Konfidenzintervall 1,24-1,38). Am häufigsten war eine Lewy-Körperchen-Demenz. Relevante Einfluss-Faktoren wie kardiovaskuläre Krankheiten oder zerebrale Traumen hatten die Wissenschaftler um die Alzheimer-Forscherin Professor Kristine Yaffe (Universität von Kalifornien in San Francisco) bei der statistischen Analyse selbstverständlich berücksichtigt.

Kristine Yaffe betonte allerdings, dass die retrospektive Studie keine Aussage über eine Kausalität zulasse; ob Schlafstörungen eine Demenz verursachten, sei weiterhin unklar. Schlafstörungen könnten auch, wie schon häufiger berichtet, Frühsymptome einer Demenz-Erkrankung sein. Mehrere Studien haben Hinweise darauf geliefert („JAMA Neurology“ und auch „British Medical Journal“).

Allerdings geht Schlafmangel mit einer Vielzahl von metabolischen und kardiovaskulären Erkrankungen einher, die wiederum als Risiko-Faktoren für Demenz-Erkrankungen gelten. Nach Ansicht von Yaffe wäre es reine Spekulation anzunehmen, dass eine erfolgreiche Therapie der Schlafstörungen vor einer Demenz schützen könnte. Aufgrund der bisher vorliegenden Daten könne jedoch angenommen werden, dass Schlafstörungen bei älteren Menschen ein Hinweis auf ein erhöhtes Demenz-Risiko seien.

26.03.2018 13:52:19, Autor: Dr. med. Thomas Kron