Neue klinische Studie

Regelmäßige Ibuprofen-Einnahme erhöht Risiko von Unfruchtbarkeit

Weitere Forschungsbefunde stärken die Befürchtung, dass Ibuprofen die Fertilität von Männern beeinträchtigen könnte. Einer aktuellen Studie zufolge kann regelmäßig eingenommenes Ibuprofen zu einem kompensierten Hypogonadismus führen, der bei weiterer Progression unter anderem Infertilität, erektile Dysfunktion, Depressionen und einen Verlust an Knochen - und Muskelmasse zur Folge haben kann.

Eine häufige Einnahme von Ibuprofen kann für Männer offenbar unangenehme Folgen haben.
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An der jetzt publizierten Studie nahmen 31 Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren teil. 14 von ihnen nahmen sechs Wochen lang täglich 2x600 Milligramm Ibuprofen ein, die übrigen Männer erhielten Placebo-Präparate.

Bereits zwei Wochen nach Beginn der Studie stellten die Wissenschaftler bei den Männern der Ibuprofen-Gruppe erhöhte LH-Werte im Blut fest, nach insgesamt 44 Tagen waren sie noch höher. Das aus dem Hypophysenvorderlappen stammende luteinisierende Hormon reguliert bekanntlich bei Männern die Testosteron-Produktion. Bei den 14 Probanden der Studie stiegen allerdings die Testosteron-Werte nicht an, die Testosteron-LH-Ratio sank also; insgesamt sprächen die Befunde für einen kompensierten Hypogonadismus, schreiben die dänischen und französischen Wissenschaftler um den Erstautoren Dr. David Møbjerg Kristensen (Universität Kopenhagen).

Nach diesen Tests mit Probanden untersuchten die Wissenschaftler die Wirkung des Schmerzmittels auf die Hoden von Organspendern. Laut Kristensen und seinen Kollegen produzierten die Hoden bereits nach 24 Studien weniger Testosteron. Der Effekt nahm mit der Dauer der Ibuprofen-Exposition und der Dosis des Schmerzmittels zu. Als Ursache für die verminderte Testosteron-Produktion identifizierten die Wissenschaftler eine Unterdrückung der Transkription, also der RNA-Synthese mit der DNA als Vorlage.

Bereits im vergangenen Jahr kam der Verdacht auf, dass Ibuprofen die Fertilität beeinträchtigen könnte. Anlass für die Befürchtung waren die Ergebnisse einer Studie, in der bei Neugeborenen von Frauen, die im ersten Schwangerschaft-Trimester das Analgetikum eingenommen hatten, Hinweise auf eine möglicherweise gestörte Hodenentwicklung festgestellt wurden. Ibuprofen wirkte wie ein endokriner Disruptor.

Relevant sind die aktuellen Befunde nach Angaben der Autoren außer für Patienten mit chronischen Schmerz-Erkrankungen zum Beispiel auch für junge Sportler, etwa Marathon-Läufer, die gegen belastungsinduzierte Schmerzen nicht selten ein entzündungshemmendes Analgetikum wie Ibuprofen einnähmen.

10.01.2018 11:04:19, Autor: Dr. med. Thomas Kron