Horrende Haftpflichtbeiträge

Geburtskliniken gehen die Belegärzte aus

Ein Belegarzt begleitet die gesamte Schwangerschaft einschließlich Geburt. Doch das Modell steht vor dem Aus.
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Die Fruchtblase platzt, die Wehen setzen ein: Kommt ein Kind zur Welt, so ist eine lange Autofahrt zur Klinik das Letzte, was die werdende Mutter will. Weil aber immer mehr Geburtsstationen vor dem Aus stehen, werden die Wege zur nächsten Klinik in Zukunft immer weiter werden.

Die Hebammen haben zuerst Alarm geschlagen: Es wurde viel darüber berichtet, dass die Prämien für die nötige Berufshaftplicht ins schier Unermessliche steigen. Die Berufshaftpflicht springt ein, wenn bei einer Geburt etwas schiefgeht. Weil immer mehr Eltern klagen und die Gerichte den betroffenen Kindern immer höhere Entschädigungen zusprechen, erhöhen die Versicherer eben auch die Beiträge massiv. Die Folge: Viele Hebammen steigen aus ihrem Kerngeschäft, der Geburtshilfe, aus, weil sie die hohen Beiträge nicht stemmen können.

Doch das Problem trifft nicht nur Hebammen, sondern auch Frauenärzte, die als sogenannte Belegärzte Geburten begleiten. Das sind Ärzte, die eine eigene Praxis haben, ihre Patienten bei bestimmten Operationen oder eben Geburten aber auch in einem Krankenhaus betreuen.

Für diese Geburtshelfer sind nun die Haftpflichtprämien ebenfalls exorbitant gestiegen: 60.000 Euro im Jahr sollen die Ärzte berappen, wenn sie einen neuen Vertrag abschließen. Und ältere Ärzte, die bislang um die 20.000 Euro zahlten, werden nun mit mehr als dem Doppelten zur Kasse gebeten. Weil der Arzt aber für eine problemlose Geburt gerade einmal 413 Euro Honorar bekommt, rechnet sich die belegärztliche Geburtsbegleitung nicht mehr.

So geht es zum Beispiel auch den Gynäkologen am Lübecker Marien-Krankenhaus. Die Klinik ist mit 1.605 Geburten im Jahr 2016 die drittgrößte Geburtsklinik in Schleswig-Holstein; angestellte Ärzte gibt es auf der Geburtsstation nicht – alles läuft über Belegärzte. Doch die würden angesichts der hohen Prämien ab Januar mit der Geburtshilfe keinen Cent mehr verdienen, sondern eher noch draufzahlen. Der Station droht das Aus.

In Lübeck wird nun hektisch nach einer Lösung gesucht. Dass die Klinik die Versicherungsbeiträge übernimmt, ist gesetzlich nicht zugelassen. Denkbar wäre ein Sicherstellungszuschlag zur Haftpflichtprämie, wie es ihn für die Hebammen gibt. Doch für viele Ärzte und Kliniken ist klar, was eigentlich nötig ist: eine bessere Bezahlung der Geburtshilfe.


10.01.2018 11:38:28, Autor: Kathrin Schneider