Pfizer-Rückzug

Neue Hiobsbotschaft für Alzheimer-Patienten

In der Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson gibt es erneut einen Rückschlag: Das US-Unternehmen Pfizer hat angekündigt, die Forschung und Entwicklung in diesen Bereichen zu beenden. Damit verbunden ist der Wegfall von möglicherweise 300 Arbeitsplätzen in den USA.

Die Pharma-Forschung zu Alzheimer ist längst zu einem Milliarden-Grab geworden.
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Hintergrund der Entscheidung sind die vielen Rückschläge in der Entwicklung neuer Wirkstoffe, insbesondere gegen die Alzheimer-Erkrankung. Seit Jahren melden Demenz-Forscher zwar immer wieder „Positiv-Befunde“ aus experimentellen Untersuchungen - sei es zu neuen „Risiko-Genen, pathogenetischen Mechanismen und möglichen neuen „Zielstrukturen“, sei es zu Effekten irgendwelcher Substanzen auf Parameter wie Beta-Amyloid oder Tau-Protein. Doch Ergebnisse klinischer Studien sind bisher mehr als ernüchternd.

Längst ist die Pharma-Forschung auf diesem Gebiet zu einem Milliarden-Grab geworden, möglicherweise, weil man zu sehr auf die bekannte Anti-Amyloid-Strategie gesetzt hat. So waren unter anderen die beiden gegen Amyloid gerichteten Antikörper Bapineuzumab und Solanezumab große Hoffnungsträger; beide Antikörper haben jedoch in den relevanten Studien bei den primären Wirksamkeitsendpunkten (ADAS-cog11 und 14, DAD-Score, ADCS-ADL) nicht signifikant besser abgeschnitten als Placebo-Präparate. Dies galt auch für jene Studie, in der Solanezumab nur bei Patienten mit leichter Alzheimer-Demenz geprüft wurde (p = 0,06). Die Studien - zwei zu Bapineuzumab (etwas mehr als 2400 Patienten), zwei zu Solanezumab (n = 2052) – erschienen 2014 zusammen mit einem Kommentar im „New England Journal of Medicine“.

Selbst optimistisch gestimmte Wissenschaftler gehen längst nicht mehr davon aus, dass sich in der medikamentösen Therapie so bald Bahnbrechendes für die Betroffenen tun wird. Wahrscheinlich heißt auch aus diesem Grund das alte neue Zauberwort seit einigen Jahren „Prävention“

08.01.2018 17:11:59, Autor: Dr. med. Thomas Kron