Trehalose

Fördert ein Lebensmittelzusatz-Stoff Virulenz und Vermehrung von Clostridien?

Sollten Menschen, die für eine Clostridien-Infektion besonders gefährdet sind, eine Trehalose-freie Kost zu sich nehmen? Vielleicht, denn der Zuckeraustauschstoff verstärkt offenbar die Virulenz des Erregers, wie Mikrobiologen nun in Versuchen mit Mäusen festgestellt haben („Nature“).

C.-difficile: Multiresistenz gegen wichtige Antibiotika ist ein großes Problem.
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Es könnte daher sein, so die Befürchtung, dass das als Lebensmittelzusatz (insbesondere für Fertigprodukte) verwendete Disaccharid mit zu der Verbreitung und Gefährlichkeit des Erregers beitrage: Dabei gehe es um die Ribotypen 027 und 078, die offenbar beide Trehalose für sich nutzen können, etwa für die Toxin-Produktion und für die Vermehrung. Der Ribotyp 027 kommt auch in Europa vor. In Deutschland erkrankten 2016 nach Angaben des Robert Koch-Instituts 2337 Menschen an einer schweren C.-difficile-Infektion, 624 dieser Patienten starben.

Bei dem Erreger handelt es sich um ein anaerobes, grampositives, sporenbildendes Stäbchenbakterium. Es ist der häufigste Erreger einer nosokomialen antibiotika-assoziierten Diarrhöe bei Erwachsenen in Europa und Nordamerika. Der Erreger kommt sowohl in der Umwelt (im Boden oder im Oberflächenwasser) als auch im Darmtrakt von Tieren und Menschen (vor allem Kleinkinder) vor. Bei bis zu 20–40 Prozent der Patienten im Krankenhaus komme es zu einer Besiedlung, wobei diese meist asymptomatisch verlaufe, heißt es in einem Übersichtsbeitrag.

Wachsende Inzidenz

Insgesamt kommt es in den letzten Jahren weltweit zu einer zunehmenden Inzidenz der CD-Infektion. Schwere Clostridium-difficile-Infektionen bereiten Infektiologen daher immer mehr Sorgen. Das höchste Erkrankungsrisiko bestehe im ersten Monat nach Antibiotikatherapie, so die Leipziger Infektiologen und Gastroenterologen Dr. Christoph Lübbert und Dr. Sebastian Weis („Der Internist“).

C. difficile ist „für etwa 15–20 Prozent der durch Antibiotika ausgelösten Durchfallerkrankungen und für mehr als 95 Prozent aller pseudomembranösen Kolitiden verantwortlich“, so auch die beiden Gastroenterologen Professor Arno J. Dormann (Krankenhaus Holweide, Kliniken der Stad Köln) und Professor Thomas Weinke (Klinikum Ernst von Bergmann GmbH, Potsdam) in einem Beitrag zur CD-Infektionen.

Rezidive durch Säureblocker-Therapie

Zu den Faktoren, die vermutlich Rezidive fördern, zählt die Therapie mit Säureblockern. Dies lässt unter anderem eine Metaanalyse von 16 Beobachtungsstudien mit insgesamt 7703 Patienten vermuten, bei denen eine CD-Infektion diagnostiziert wurde („JAMA Internal Medicine“). 1525 (19,8 Prozent) dieser Patienten entwickelten ein Clostridium-difficile-Rezidiv. Mit einem Anteil von 22,1 Prozent (892 von 4038 Patienten) waren vor allem Patienten von einem CD-Rezidiv betriffen, die Protonenpumpen-Hemmer oder andere Säureblocker erhielten. Bei Patienten ohne Säureblocker betrug der Anteil nur 17,3 Prozent (633 von 3665). Die Autoren errechneten daraus ein um 52 Prozent erhöhtes Rezidiv-Risiko. Wurden Einfluss-Faktoren wie das Alter und mögliche Störfaktoren berücksichtigt, betrug die relative Risiko-Zunahme immer noch 38 Prozent.

Von Infektionen mit C. difficile sind nicht allein Erwachsene und ältere Menschen betroffen: Auch bei Kindern werde eine steigende Inzidenz beobachtet, berichten US-Pädiater im Fachmagazin „Current Opinion in Pediatrics“. Ad acta gelegt werden muss wohl auch die Vorstellung, es handele sich bei CD-Infektionen allein um ein „Klinik-Problem“. Genanalysen britischer Wissenschaftler etwa ergaben, dass nicht nur symptomatische, hospitalisierte Patienten Quelle des Erregers sind („New England Journal of Medicine“).

Die Genom-Analyse der britischen Forscher stelle das bisherige Konzept in Frage, dass überwiegend symptomatische Patienten in Kliniken für die Ausbreitung des Erregers „verantwortlich sind“, so der US-Infektiologe Professor Curtis J. Donskey in einem begleitenden Kommentar.

Die Übertragung des Erregers ausserhalb der Kliniken durch Patienten, die gerade eine CDI durchgemacht hätten, werde möglicherweise unterschätzt, schreibt ein Team um Donskey auch in einem anderen Beitrag in „PLOS ONE“. C. difficile gewinne eine wachsende Bedeutung bei der ambulant erworbenen Diarrhö, warnt auch das RKI.

Multiresistenz als großes Problem

Das große Problem ist die Multiresistenz gegen häufig eingesetzte Antibiotika. Standardherapie bei einer CDI sind immer noch Metronidazol und Vancomycin. Probleme dabei sind vor allem Rezidive (bis zu 25 Prozent), kein belegter Effekt auf Reduktion der Toxinproduktion oder Sporenbildung, zudem die nicht selektive Wirkung auf C. difficile, wodurch die normale Darmflora zerstört werden kann, und eine potenziell abnehmende Wirksamkeit. Immerhin gibt es mit Fidaxomicin (Handelsname Dificlir) seit Januar 2013 in Deutschland ein Antibiotikum mit einem neuen Wirkmechanismus, dem der G-BA auch einen „therapeutisch bedeutsamen Zusatznutzen“ bescheinigte.

Diskutiert werden seit einiger Zeit auch Probiotika, wobei die Datenlage nicht homogen ist. Probiotika schützen ältere Menschen womöglich doch nicht vor einer Antibiotika-assoziierten-Diarrhö. So lautete etwa das Hauptergebnis einer im „Lancet“ publizierten kontrollierten Studie britischer Kollegen. Es gebe keine Belege für einen Schutz durch Probiotika, so die Autoren. Die meisten Studien mit einem positiven Resultat für die probiotische Diarrhö-Prophylaxe seien relativ klein und methodisch unzureichend, so dass sie auch kaum für Metaanalysen geeignet seien. Aber trotz des negativen Resultates der Studie seien die Akten über den Nutzen der Probiotika zur Diarrhö-Prävention noch nicht geschlossen. Eine Cochrane-Analyse ergab eine zumindest „mittelgradige Evidenz“ dafür, dass Probiotika prophylaktisch gegen Clostridien-assoziierte Durchfälle nach einer Antibiotikatherapie wirken.

Wie wirksam sind Stuhl-Transplantationen?

Große Aufmerksamkeit genießt seit einigen Jahren auch die Stuhl-Transplantation. Aber die bisherigen Studien-Daten reichen noch nicht aus, um schon jetzt zuverlässige Schlussfolgerungen zum Nutzen dieser Behandlung bei therapieresistenten Infektionen zu ziehen. So lautete dieses Jahr das Fazit von US-Wissenschaftlern, die sich die Publikationen zu diesem Thema genauer angeschaut hatten („Annals of Internal Medicine“).

Auch Professorin Christina M. Surawicz (Universität von Washington in Seattle) verwies in einem Kommentar zwar auf die große Effektivität der Methode bei wiederkehrender CD-Infektion, die einfache Handhabung und die vergleichsweise geringen Kosten hin, betonte aber ebenso, dass noch viele Fragen unbeantwortet seien, so etwa zu den Langzeit-Effekten der Behandlung auf die Darmflora und auch zu den Wirkmechanismen.

Zurückhaltend äußern sich auch Dormann und Weinke und verweisen darauf, dass es derzeit noch kein „standardisiertes Protokoll zur Applikation von Donor-Fäzes“ gebe; außerdem fehlten gerade für immunsupprimierte und schwer kranke Patienten Daten aus kontrollierten klinischen Studien. Darüber hinaus sei unklar, „was passieren könne, wenn Fäzes von einem auf den anderen Menschen übertragen würden“. Außerdem: „Da insbesondere das Risiko der Übertragung von Infektionen nicht vollständig auszuschließen ist, kommt diese Methode schon aus haftungsrechtlichen Gründen nur als individueller Heilversuch infrage, wenn alle anderen zugelassenen Therapieoptionen versagt haben.

08.01.2018 12:25:29, Autor: Dr. med. Thomas Kron