Vorbeugen und gesund leben

Mit gesunden Füßen durch die kalte Jahreszeit

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Unsere Füße geben uns Standfestigkeit und lassen uns aufrecht durchs Leben gehen. Als wahre Wohltat empfinden strapazierte Füße häufiges Barfußlaufen und bequemes Schuhwerk. Regelmäßige Gymnastik und Wechselduschen tun ihnen ebenfalls gut – insbesondere an kühlen Wintertagen.  


Unsere Füße sind ein technisches Meisterwerk: Sie bestehen aus 26 Knochen, verbunden über 33 Gelenke und zusammengehalten durch 100 Bänder. Im Zusammenspiel mit 20 Muskeln sorgen sie für reibungslose Bewegungen, die richtige Balance und einen festen Stand. Im Laufe unseres Lebens führen uns unsere Füße durchschnittlich viermal um die Erde, haben Wissenschaftler ausgerechnet. Doch so richtig gut geht es den Füßen nur selten: Ob im Büro oder in der Freizeit, stundenlang eingepfercht in hohen Stöckelschuhen, engen Slippern oder Sportschuhen, bleibt ihnen meist nur wenig Bewegungsspielraum. Das Ergebnis zeigte kürzlich eine Studie: Circa 98 Prozent aller Menschen kommen mit gesunden Füßen zur Welt, aber nur noch 40 Prozent von ihnen haben gesunde Füße, wenn sie erwachsen sind. Die wichtigsten Ursachen hierfür sind mangelnde Bewegung und einengendes Schuhwerk.

„Werden die Zehen gestaucht, so erschlaffen die kurzen Fußmuskeln und Bänder des Vorfußes und ein Spreizfuß droht“, erklärt Dr. Thomas Schneider, leitender Orthopäde der Gelenk-Klinik in Gundelfingen. Nicht selten fördert beengtes Schuhwerk auch Fußdeformationen wie Hallux valgus (Schiefzehen) sowie Nervenschmerzen im Fuß (Morton-Neuralgie). Doch nicht nur die Basis leidet unter dem beengten Dasein: „Füße und Wirbelsäule bilden beim Gehen eine systemische Einheit“, so Schneider. „Über Muskeln und Sehnen miteinander verbunden, kann sich eine Fehlstellung der Füße somit ungünstig auf Rücken- und Körperhaltung auswirken.“ Sein Tipp: „Gehen Sie längere Strecken stets in bequemen Schuhen, die den Zehen ausreichend Platz bieten.“

Darauf stehen unsere Füße
Der ideale Schuh lässt den Zehen einerseits genügend Spielraum, aber trotzdem eine Führung, und umschließt andererseits die Ferse perfekt. Flache flexible Schuhsohlen erlauben ein natürliches Abrollen beim Gehen. Außerdem leiten sie Informationen vom Untergrund durchgehend an den Fuß weiter. Der praktische Vorteil: „Die vielen ‚intrinsischen‘ Muskeln, die die Fußgewölbe aufrechterhalten, werden trainiert und gezwungen, aktiv zu bleiben“, erläutert  Schneider. Ein stabiler Schaft und eine griffige, rutschfeste Sohle sorgen für den richtigen Halt beim Herbstspaziergang durch den Wald.

Doch die Schuh-Realität sieht weniger fußfreundlich aus: 80 Prozent aller Deutschen tragen Modelle, die ihnen nicht passen, meldet das Deutsche Schuhinstitut. Dabei zeigen nicht nur zu kleine Schuhe oft fatale Folgen. Sind sie zu groß, so hat der Fuß keinen Halt beim Abrollen und rutscht im Schuh hin und her. Die Konsequenz: Bei jedem Schritt werden die Zehen genauso gestaucht wie im zu engen Schuh. Zu viel Spielraum an der Ferse lässt den Fuß zudem aus dem Schuh schlappen, was nicht selten zu Verstauchungen führt.

Als wahre „Stolpersteine“ für gesunde Füße gelten Skischuhe. „Sie nehmen den Füßen jede Beweglichkeit“, warnt Schneider. Zu wenig Bewegungsfreiheit disqualifiziert auch dicke, starre und spitz zulaufende Schuhsohlen. „Weil der Vorfuß zu wenig Raum hat, erschlafft das vordere Fußgewölbe (Quergewölbe).“ Nicht minder problematisch sind hohe Absätze, wie sie beispielsweise High Heels „auszeichnen“. Neben der Gefahr des Umknickens muss bei dauerhaftem Tragen mit verkürzten Muskeln und Schmerzen gerechnet werden.

Fußgymnastik fördert die Durchblutung
Balsam für strapazierte Füße ist regelmäßige Gymnastik. Um die Füße zu kräftigen und die Beweglichkeit zu fördern, sollte man täglich ein paar Minuten die Füße kreisen lassen und die Zehen krallen und strecken. Eine gute praktische Übung bietet das Zusammenknüllen von Zeitungspapier mit den Füßen. Regelmäßige  Gymnastik verbessert nicht nur die Beweglichkeit der Füße, sondern auch deren Durchblutung. Schneider: „Ein wichtiger Schutzfaktor gerade in der kühleren Jahreszeit, um das Immunsystem gegen winterliche Viren zu wappnen.“  

Als wahre Wohltat empfinden Füße auch das Barfußlaufen. „Bei jeder passenden Gelegenheit am besten ganz aufs Schuhwerk verzichten“, rät deshalb der Orthopäde. Erlauben die Temperaturen kein Barfußlaufen im Freien, so geht es auch daheim: „Beim Gang über den Teppich oder das Parkett öfter auf Hausschuhe und Socken verzichten“, empfiehlt der erfahrene Spezialist für Fuß- und Sprunggelenke.

Barfußlaufen gegen Senk- und Spreizfüße
Schon Gesundheitspfarrer Sebastian Kneipp wusste um die wohltuende Wirkung des Barfußlaufens und pries unermüdlich den kreislaufstärkenden positiven Abhärtungseffekt. Inzwischen empfehlen auch Orthopäden die natürliche Gesundheitsvorsorge, um Fußmuskulatur und Fußgewölbe zu kräftigen. Erwiesen ist: Regelmäßiges Laufen mit nackten Füßen fördert die gesunde Zehenstellung und kann somit Schäden wie Senk- und Spreizfüße korrigieren bzw. verhindern. Und auch auf die Bandscheiben wirkt die „Freiluft-Bewegung“ wohltuend: „Erschütterungen und Stöße werden gedämpft, Blockaden der Wirbelgelenke lösen sich auf“, so Dr. Schneider.

Am besten eignen sich Wiesen, Strand oder Parks bei milden Temperaturen für das „Freiluft-Vergnügen“. „Die Muskeln werden trainiert und die Füße finden zurück in ihre natürliche Stellung“, betont Facharzt Schneider. Gegen ‚wohldosierte‘ Barfußläufe haben Orthopäden bis ins hohe Alter nichts einzuwenden. Sie gelten auch als wirkungsvolle Präventionsmaßnahme gegen Stürze. Denn Druck, Temperatur, Unebenheiten oder andere Reize fördern die Sensibilität und Sensomotorik. Zudem wird das Gleichgewicht geschult und dank gut trainierter Fußmuskulatur die Gefahr des Umknickens sowie entsprechender Verletzungen gesenkt. 

Förderlich für die Fußgesundheit sind auch Wechselduschen zur Temperaturregulation. Die Füße „lernen“ dadurch, auch an kühlen Tagen warm zu bleiben. „Und wer warme Füße behält, der senkt das Risiko von Erkältungen“, erläutert Schneider. Angenehm für die Füße ist auch hin und wieder eine kurze Massage: Dabei genügt ein kleiner Noppenball, um die Durchblutung der Sohle zu stimulieren und die Beweglichkeit zu fördern. Gegen Risse und trockene Haut schützen Kräutercremes oder andere Pflegelotionen. Orthopäden empfehlen zudem mehrmals täglich das kurze Hochlegen der Füße. Dies fördert den Rückfluss des Blutes – und außerdem schätzen auch strapazierte Füße kleine Pausen zwischendurch.

15.12.2017 12:29:30, Autor: Jan Scholz / durchblick-gesundheit Januar–März 2018