DKFZ

Papillomviren fördern Plattenepithelkarzinome

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben zeigen können, dass Papillomviren im Zusammenhang mit UV-Licht die Entstehung von weißem Hautkrebs fördern. Die Forscher liefern erstmals eine Erklärung, warum die Viren beim Menschen zwar in gutartigen Krebsvorstufen, nicht jedoch im fortgeschrittenen Karzinom nachweisbar sind. Über ihre Forschungsbefunde berichtet das Team im Fachmagazin „PLOS Pathogens“.


Plattenepithelkarzinom; E-Cadherin ist rot eingefärbt, Vimentin grün, die Zellkerne sind blau dargestellt.
© Hasche et. al., PLOS Pathogen DOI: 10.1371/journal.ppat.1006723

Jeder Mensch infiziert sich im Laufe seines Lebens mit hauttypischen humanen Papillomviren (HPV), normalerweise bereits im frühen Kindesalter. Bei Gesunden kann das Immunsystem die Viren abwehren, was sich jedoch im Alter oft ändert. Besonders gefährdet sind Empfänger von Spenderorganen, deren Immunsystem langfristig mit Medikamenten unterdrückt wird, um die Abstoßung der Transplantate zu verhindern. Diese Patienten haben ein bis zu 250-fach erhöhtes Risiko, an weißem Hautkrebs zu erkranken, dessen Häufigkeit zunimmt.

UV-Strahlung ist als ein wichtiger Risikofaktor allgemein bekannt, und weißer Hautkrebs tritt tatsächlich bevorzugt an sonnenexponierten Körperpartien auf. Darüber hinaus vermuten Forscher seit längerem, dass bestimmte Typen der humanen Papillomviren die Krebsentstehung zusätzlich fördern. Dafür gab es aber bislang nur unzureichende Hinweise.

Forscher unter Leitung von Frank Rösl am Deutschen Krebsforschungszentrum konnten diesen Nachweis nun erbringen, wie das DKFZ mitteilt. Dabei half ihnen eine bestimmte Art von Mäusen, die sich – wie auch Menschen – in der Regel bereits kurz nach der Geburt mit Papillomviren infiziert. Rösls Team verglich nun die virusinfizierten Tiere mit Artgenossen, die völlig frei von Viren aufgezogen wurden. Sie bestrahlten die Tiere mit einer Dosis von UV-Strahlung, wie sie durchaus während eines Urlaubs in mediterranen Breiten zu erwarten wäre. Daraufhin entwickelten nur virusinfizierte Tiere Plattenepithelkarzinome, nicht aber die virusfreien Kontrolltiere.

Virusmenge hängt mit der Differenzierung des Tumors zusammen

Bereits auf den ersten Blick erkannten die Forscher, dass eine Gruppe der Tumoren verhornt war, die andere nicht. Die verhornten Tumoren enthielten große Mengen Viren, wie man sie auch bei Krebsvorstufen (der so genannten Aktinischen Keratose) bei Menschen findet. Hier wachsen Zellen der oberen Schichten der Haut bereits übermäßig, erinnern aber noch an den ursprünglichen Aufbau der Haut. Die Forscher zeigten, dass die Viren die Stabilität des Erbguts ihrer Wirtszelle beeinträchtigen und dadurch die Anhäufung von UV-Schäden fördern.

Die zweite Gruppe von Tumoren enthielt jedoch gar keine Viren, wie dies auch bei fortgeschrittenen Karzinomen in Patienten der Fall ist. Jedoch belegten auch in diesen Fällen Antikörper im Blut der Tiere eine vorangegangene Virusinfektion. Diese Tumoren hatten auffällig oft Mutationen in einem für die Zelle besonders wichtigen Gen p53, das als „Wächter des Genoms“ gilt. Dies ist auch bei einem Großteil der Plattenepithelkarzinome beim Menschen defekt, was die Zellen ungehindert wachsen lässt. Rösl erläutert: „Das ist der erste direkte Beleg für den tumorfördernden Einfluss von kutanen Papillomviren in einem natürlichen System, das große Ähnlichkeit mit der Situation von Patienten aufweist.“

Das unkontrollierte Wachstum der Zellen lässt den Tumor weiter entarten. Das verhindert, dass sich die Viren, die nun für das Tumorwachstum überflüssig geworden sind, weiter vermehren können. Der Verlust der Viren in fortgeschrittenen Karzinomen war bisher ein Hauptargument gegen die Beteiligung der kutanen Papillomviren an der Krebsentstehung. „Wir zeigen hier zum ersten Mal, dass die Virusmenge mit der Differenzierung des Tumors zusammenhängt. Dieser Zusammenhang wurde in früheren Studien an Biopsien von Patienten nie eingehend untersucht“, so Daniel Hasche, Erstautor der Studie.

Das soll nun dringend nachgeholt werden. Rösl: „Diese Erkenntnisse sind ein wichtiges Argument dafür, dass auch Impfstoffe gegen kutane Papillomviren entwickelt werden sollten. Das ist besonders für Empfänger von Organtransplantaten von Bedeutung, die besonders häufig an weißem Hautkrebs erkranken.“


03.12.2017 10:30:07, Autor: Dr. med. Thomas Kron