Studie zu Kaffee und Gesundheit

Am besten drei bis vier Tassen täglich

Schadet der Konsum von Kaffee, oder ist er gar gesundheitsfördernd? Über diese Frage streitet sich die Wissenschaft schon seit Langem. Jetzt ist wieder eine Studie erschienen. Das Ergebnis: Täglich etwa drei oder vier Tassen Kaffee gehen mit den stärksten positiven gesundheitlichen Effekten einher.

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Ob der französische Schriftsteller Honoré de Balzac im Alter von nur 51 Jahren an seinem exzessiven Kaffee-Konsum gestorben ist, an seiner insgesamt ungesunden, überwiegend sitzenden Lebensweise gepaart mit einigen Ernährungssünden oder an „karoshi“, also Überarbeitung, ist unklar. Relativ einleuchtend dürfte immerhin sein, dass die 30 oder 40 Tässchen Kaffee, die der Romancier täglich getrunken haben soll, nicht sehr bekömmlich gewesen sein konnten. Auch bei der „Bürodroge“ Kaffee gilt sehr wahrscheinlich die bekannte Weisheit des Paracelsus: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift ist.“ Eine Metaanalyse von über 200 Metaanalysen bestätigt nun, dass an dieser Weisheit etwas dran ist: Auch beim Kaffee-Konsum hängt es von der Menge ab, ob der Genuss des Schwarzen Goldes der Gesundheit Gutes antut. Täglich etwa drei oder vier Tassen Kaffee gingen mit den stärksten positiven gesundheitlichen Effekten einher, berichten die Autoren der aktuellen Analyse im britischen „Ärzteblatt“.

Die Autoren um Dr. Robin Poole (Universität von Southampton) betonen allerdings zugleich, dass unklar sei, ob es sich bei dem Zusammenhang zwischen Kaffee-Konsum und Gesundheit um einen kausalen Zusammenhang handelt oder nicht. Denn ausgewertet haben Poole und seine Kollegen vor allem Metaanalysen von Beobachtungsstudien - und zwar 201. Zu Interventions-Studien gab es nur 17 Metaanalysen. Berechnet wurde das relative Risiko für unterschiedliche Krankheiten und Tod.

Hier in Kürze ein paar Hauptergebnisse: Die stärkste Risokoreduktion ermittelten die Autoren für einen täglichen Konsum von drei oder vier Tassen Kaffee (im Vergleich zu Kaffee-Abstinenz). Bei der Gesamt-Mortalität betrug das relative Risiko (RR ) 0,83, die relative Risikoreduktion also 17 Prozent: Für die kardiovaskuläre Mortalität ergaben die Berechnungen einen Wert von 0,81, für kardiovaskuläre Erkrankungen ein RR von 0,85. Kaffee-Konsum war laut Poole und seinen Kollegen außerdem mit einem verminderten Risiko für Krebs-Erkrankungen sowie neurologische Erkrankungen wie Parkinson und für metabolische Störungen assoziiert. Als möglicherweise schädlich habe sich Kaffee bei Genuss während der Schwangerschaft gezeigt (niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburten). Zudem sei bei Frauen, nicht aber bei Männern, ein Zusammenhang mit Frakturen aufgefallen.

Sollte nun aufgrund der Ergebnisse moderater Kaffee-Genuss zur Prävention chronischer Erkrankungen empfohlen werden? Und sollten Menschen aus gesundheitlichen Gründen beginnen, Kaffee zu trinken? Beide Fragen seien zu verneinen, heißt es in einem Editorial zu der Publikation. Dafür reichen die wissenschaftlichen Daten nicht aus. Auch Poole und seinen Kollegen halten randomsierte und kontrollierte Studien für erforderlich. Außerdem ist natürlich die konsumierte Menge relevant. Aussagen zur Sicherheit von Kaffee sollten sich auf einen moderaten Konsum beschränken (≤400 mg Koffein täglich, etwa vier Tassen Kaffee), heißt es in dem Editorial außerdem. Ein maßvoller Genuss könne allerdings für die meisten erwachsenen Menschen Teil einer gesunden Ernährung sein.

Meldungen zu gesundheitlichen Effekten der „Bürodroge“ Kaffee wecken bekanntlich immer wieder Aufmerksamkeit. Das ist kaum verwunderlich, denn Kaffee gehört weltweit, auch in Deutschland, zu den beliebtesten Getränken. Um die sieben Kilogramm Kaffee verbraucht jeder Deutsche jährlich, knapp zwei Tassen beträgt der tägliche Konsum pro Kopf. 2016 tranken rund zwei Drittel der Bundesbürger regelmäßig Filter-Kaffee. Kaffee sei uns Tröster und Muntermacher, Freund und Begleiter, Seelsorger und Freudenspender“, heißt es etwas werbend-pathetisch im Kaffeereport 2017 von Tchibo.

Darüber hinaus werden dem „Schwarzen Gold“ und seinen zahlreichen Inhaltsstoffen immer wieder positive gesundheitliche Effekte zugeschrieben. Regelmäßiger Kaffee-Konsum könne sogar vor tödlichem Leberversagen schützen, und zwar HIV-Patienten, die auch mit dem Hepatitis C-Virus infiziert seien, meldeten kürzlich die Autoren einer französischen Kohortenstudie im „Journal of Hepatology“. Kaffee-Konsum sei mit einer geringeren Gesamt-Sterberate assoziiert. So lautete auch die Hauptbotschaft von zwei anderen Beobachtungsstudien, die im August im Fachblatt „Annals of Internal Medicine“ erschienen. In der einen Studie werteten Wissenschaftler der „International Agency for Research on Cancer“ und des „Imperial College London“ die Daten von 520 000 Personen aus zehn Ländern aus. Ergebnis nach einer mittleren Beobachtungszeit von 16,4 Jahren: Bei Kaffee-Trinkern war die Mortalitätsrate geringer als bei Menschen, die keinen Kaffee tranken. In der zweiten Studie analysierten US-Forscher die Daten von über 185 000 Afroamerikanern, Amerikanern japanischer Abstammung, Latein-Amerikanern und auf Hawai geborenen Personen. Die mittlere Beobachtungszeit betrug auch hier rund 16 Jahre. Ebenso wie die Autoren der ersten Auch die US-Wissenschaftler stellten eine inverse Beziehung zwischen Menge des Kaffee-Konsums und der Gesamt-Mortalität fest.

Ein protektiver Effekt des Getränkes sei biologisch durchaus plausibel, schrieben Professor Eliseo Guallar und seine Mitautoren der „Johns Hopkins University“ in einem begleitenden Kommentar. Beide Beobachtungsstudien bewiesen allerdings nicht, dass Kaffee das Leben verlängere, betonten auch diese Autoren. Denn bekanntlich haben solche Beobachtungsstudien grundsätzliche Probleme; es gibt oft viele Einfluss-Faktoren, von denen nicht alle bei der Auswertung berücksichtigt werden können. Hinzu kommen potenzielle Fehlerquellen. Skepsis ist auch bei Metaanalysen von Beobachtungsstudien zum Ernährungsverhalten angesagt („JAMA“). Nur ein Grund dafür: Die systematische Auswertung der Daten von Studien mit sehr heterogenen Studienpopulationen fördert nicht immer und automatisch die Aussagekraft der Metaanalyse. Und das dürfte auch für Metaanalysen von Metaanalysen von Beobachtungsstudien gelten.


23.11.2017 13:36:52, Autor: Dr. med. Thomas Kron