Darmkrebs

Wie Bewegung vorbeugen könnte

Viel Bewegung ist mit einem verminderten Darmkrebsrisiko verbunden. Erklärt werden könnte dies durch die günstige Wirkung der körperlichen Aktivität auf den Taillenumfang, die Stoffwechselgesundheit und den Vitamin-D-Status.

Verschiedene Studien weisen weltweit darauf hin, dass viel Bewegung das Risiko für Dickdarmkrebs senkt.
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Zu diesen Ergebnissen kommt ein internationales Forscherteam um Dr. Krasimira Aleksandrova und Professor Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), nachdem es die Daten einer großen europäischen Langzeit-Beobachtungsstudie mit etwa 520.000 Frauen und Männer ausgewertet hat („International Journal of Epidemiology“).

Verschiedene Studien weisen weltweit darauf hin, dass viel Bewegung das Risiko für Dickdarmkrebs senkt. Welche Mechanismen dieser Beobachtung zu Grunde liegen, ist laut einer Mitteilung des Instituts allerdings noch weitgehend unbekannt. Um Hinweise auf die kausalen Zusammenhänge zu bekommen, suchten die Wissenschaftler im Rahmen der „EPIC-Studie“ (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) nach biologischen Markern, welche die beobachtete Risikobeziehung beeinflussen. Hierzu verglichen sie medizinische Daten von 713 erstmals an Dickdarmkrebs erkrankten EPIC-Studienteilnehmern mit den Werten von 713 nicht-erkrankten Frauen und Männern einer Kontrollgruppe. Die Studienteilnehmer waren zur Zeit der ersten Datenerhebung zwischen 25 und 70 Jahre alt. Die Daten wurden in der Zeit von 1992 bis 2003 erhoben.

Nach den Resultaten der Datenanalyse haben körperlich aktive Menschen mit einem wöchentlichen Energieverbrauch von mehr als 90 metabolischen Äquivalenten im Vergleich zu weniger aktiven Personen ein um etwa 25 Prozent vermindertes Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Das metabolische Äquivalent (MET) verwendet man, um den Energieverbrauch verschiedener körperlicher Aktivitäten zu vergleichen. Ein MET entspricht einem Energieverbrauch von 4,2 kJ (1 kcal) je Kilogramm Körpergewicht pro Stunde. Dies entspricht in etwa dem Ruheumsatz des Körpers. Die Daten zeigen laut den Potsdamer Forschern außerdem, dass die drei biologischen Marker Taillenumfang, Vitamin-D-Spiegel und der Blutwert des löslichen Leptinrezeptors die Risikobeziehung zwischen körperlicher Aktivität und Darmkrebs insgesamt zu 45 Prozent beeinflussen.

Nach Aussage der Wissenschaftler spricht vieles dafür, dass der positive Effekt der körperlichen Aktivität auf eine Reduktion des Bauchfetts und damit auch auf einen verbesserten Stoffwechsel zurückzuführen ist. Hierfür spreche auch der beobachtete Einfluss des löslichen Leptinrezeptors auf die Risikobeziehung, da er ein Indikator für die Stoffwechsellage sei. Der beobachtete Einfluss des Vitamin-D-Spiegels lasse dagegen annehmen, dass besonders Bewegung im Freien dazu beitragen könne, das Erkrankungsrisiko zu senken.

„Unsere Studie zeigt erneut, wie wichtig es ist, körperlich aktiv zu sein, um den Stoffwechsel gesund zu erhalten und so Erkrankungen wie beispielsweise Darmkrebs vorzubeugen“, wird Aleksandrova, Erstautorin der Studie, in der Mitteilung zitiert. „Das Umsetzen dieses Wissens in gesellschaftlich aktiv unterstützte Präventionsstrategien könnte wesentlich dazu beitragen, ein frühes und häufiges Auftreten dieser Krebsform zu vermeiden und damit viel persönliches Leid zu verhindern“, ergänzt Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie und der Abteilung Epidemiologie am DIfE.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) konstatiert für Europa bei jedem dritten Erwachsenen und bei mehr als zwei Dritteln der Jugendlichen starke Defizite bei der körperlichen Aktivität. Etwa eine Million Todesfälle lassen sich laut WHO jedes Jahr in Europa auf Bewegungsmangel zurückführen. Die Deutsche Krebsgesellschaft geht davon aus, dass sportlich aktive Menschen ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, im Durchschnitt um 20 bis 30 Prozent reduzieren können.

25.10.2017 11:26:40, Autor: Dr. med. Thomas Kron