Umfrage der Kassenärzte

Privatversicherte warten länger

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Eine repräsentative Patientenbefragung zeigt, dass die große Mehrheit der Deutschen nicht lange auf einen Termin in der Arztpraxis warten muss. Und ein besonders hartnäckiges Vorurteil lässt sich gar nicht bestätigen.

Es ist fast schon eine Binse, und entsprechend selten wird sie infrage gestellt. Die Annahme, dass Patienten mit einer privaten Krankenversicherung beim Arzt schneller einen Termin bekommen als solche mit einer gesetzlichen. Ärzte zeigen sich oft verärgert ob dieser Vermutung, und tatsächlich ergibt eine gerade erschienene Umfrage der renommierten Forschungsgruppe Wahlen, dass sich kürzere Wartezeiten für Privatpatienten nicht belegen lassen. 6.000 Patienten hat die Forschungsgruppe Anfang dieses Jahres im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung befragt, unter anderem zu ihren Wartezeiten. Nicht zum ersten Mal zeigt sich dabei, dass die meisten Patienten nicht das Gefühl haben, zu lange warten zu müssen.

Befragt wurden Patienten, die im zurückliegenden Jahr mindestens einmal beim Arzt waren. 80 Prozent von ihnen sagten, dass es ihnen nicht zu lange gedauert habe, bis sie einen Termin bekamen. Das entspricht ungefähr dem Wert, der bei den zurückliegenden Befragungen der Forschungsgruppe auch herauskam. Aufgeschlüsselt nach privat (PKV) und gesetzlich Krankenversicherten (GKV) wurde dann bei einer weitergehenden Frage, nämlich der nach den konkreten Wartezeiten. Und hier zeigten sich deutliche Veränderungen.

Denn durchaus gibt es weniger Patienten, die gar nicht mehr auf einen Termin warten müssen – unter anderem ist dies Folge eines zunehmenden Mangels von Praxis-ärzten, aber auch einer steigenden Zahl älterer Patienten in Deutschland, die häufiger zum Arzt gehen. So sagten in der Umfrage 27 Prozent der GKV-Patienten, sie hätten nicht warten müssen, bei den PKV-Patienten waren es geringfügig mehr, nämlich 30 Prozent. Allerdings waren es im Vorjahr noch 38 Prozent der PKV-Versicherten, bei den GKV-Versicherten 31 Prozent – der Rückgang bei den Privatversicherten ohne Wartezeit war also deutlich stärker. Dafür gaben im Gegenzug durchweg etwas mehr Privatpatienten an, dass sie einen Tag, bis zu drei Tage, bis zu einer Woche und bis zu drei Wochen warten mussten. Über drei Wochen mussten sich dann wiederum etwas mehr GKV-Versicherte gedulden. Dass sie ganz ohne Termin kommen konnten, sagten 14 Prozent der GKV-Versicherten und 6 Prozent der PKV-Patienten – bei Letzteren gab es einen Rückgang um 4 Prozentpunkte, bei den GKV-Versicherten blieb der Wert stabil.

Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen kündigte an, die auch für ihn nicht erwartete Entwicklung bei kommenden Befragungen im Blick zu behalten. Er ging davon aus, dass die Verschiebungen bei den Wartezeiten zu Lasten der Privatversicherten mit Nachwuchsproblemen in der PKV zusammenhängen könnten. Unstrittig nämlich ist, dass sich in der PKV zunehmend weniger Junge neu versichern und die PKV-Versicherten damit im Schnitt immer älter werden. Logischerweise legten sie dann, sagte Jung, „ein anderes Nutzungsverhalten an den Tag“. Sprich: PKV-Versicherte gehen häufiger zum Arzt und müssten dann auch häufiger warten. Dr. Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, betonte, die Zahlen zu den Wartezeiten seien ein „klares Indiz, dass Ärzte nicht zu Lasten der GKV PKV-Versicherte vorziehen“.

29.09.2017 10:03:51, Autor: Thomas Trappe / durchblick-gesundheit Oktober-Dezember 2017