Krankenhaus

„Sie sind entlassen!“ Und nun?

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Wenn ein Patient aus dem Krankenhaus entlassen wird, braucht er meist Hilfe – Tabletten aus der Apotheke, einen Termin bei seinem Hausarzt oder für die Physiotherapie. Seit Oktober gilt: All das muss die Klinik organisieren und eine lückenlose Anschlussversorgung sicherstellen. 

„Entlassmanagement“ – hinter diesem Wortungetüm verbergen sich viele Vorteile für Krankenhauspatienten. Sie wissen jetzt, an wen sie sich wenden können, falls sie etwas brauchen, wenn sie aus der Klinik entlassen werden.

Denn im Rahmenvertrag Entlassmanagement, der zwischen Ärzten, Krankenkassen und Krankenhäusern geschlossen wurde und seit Oktober gilt, steht: „Das Krankenhaus ist gesetzlich dazu verpflichtet, die Entlassung der Patienten aus dem Krankenhaus vorzubereiten.“ Wenn ein Patient also künftig aus dem Krankenhaus entlassen wird, muss die Klinik die Anschlussversorgung sicherstellen.

Darum muss sich das Krankenhaus jetzt kümmern

  • Medizinische Weiterbehandlung durch Haus- oder Fachärzte,
  • die Pflege durch pflegerische Dienste, etwa zur Wundversorgung oder Grundpflege,
  • die Überleitung ins Pflegeheim,
  • Alltagshilfen, die sich um die hauswirtschaftliche Versorgung kümmern, und
  • die ambulante Rehabilitation wie Krankengymnastik oder Anschlussheilbehandlung.
  • Ebenso dazu gehören das Versorgen mit Medikamenten, das Vermitteln von Kontakten zu Ärzten, Therapeuten, Pflegedienst oder -heim und Selbsthilfegruppen sowie das Beantragen von Leistungen bei Kostenträgern wie der Deutschen Rentenversicherung.
Das gilt vor allem für schwer kranke Krebspatienten, aber auch für immer mehr ältere Menschen. Etwa jeder sechste Krankenhauspatient nimmt das Entlassmanagement in Anspruch, schätzen Fachleute. Sie sprechen auch von Pflege- oder Überleitungsmanagement.

Das heißt: Ein Patient erhält verbindlich einen Entlassbrief sowie Medikationsplan, auf dem steht, welche Tabletten er wann einnehmen muss. Außerdem muss der Krankenhausarzt Arzneimittel, Verband-, Heil- und Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege und Soziotherapie für einen Zeitraum von bis zu sieben Tagen verordnen.

Jedes Krankenhaus regelt die Anschlussversorgung etwas anders. Entweder erleichtern speziell geschulte Pflegekräfte den Patienten den Übergang von der Klinik in den Alltag. Oder ein Sozialdienst kümmert sich um die Entlassung.

Wichtig: Je mehr Informationen die Klinik hat, desto besser kann sie auf die Bedürfnisse der Patienten eingehen – das gilt vor allem für Pflegebedürftige. Dabei geht es um Fragen wie: Wer übernimmt die Einkäufe, wer sorgt für das Essen? Soll ein Pflegedienst Körperpflege und Hilfe beim Anziehen übernehmen? Manchmal muss auch der barrierefreie Umbau der Wohnung auf den Weg gebracht werden, damit der Erkrankte weiter zu Hause wohnen kann.

Wichtig sind auch Hilfsmittel für die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt: Sollte der Patient etwa einen Rollstuhl brauchen, muss die Klinik dafür sorgen, dass dieser bei einem Sanitätshaus vorbestellt wird. Das Sanitätshaus beantragt dann die Kostenübernahme bei der gesetzlichen Krankenkasse. Wichtig: Das Sanitätshaus sollte nahe dem Wohnort liegen, falls der Rollstuhl angepasst oder später repariert werden muss. Vielleicht ist auch Ersatz nötig. Darauf hat der Patient einen Anspruch.

Bei der Entscheidung, ob ein Krankenhauspatient nach seiner Entlassung Kurzzeitpflege benötigt, helfen den Pflegekräften die Angaben in der Patientenakte. Dort dokumentieren die Ärzte den gesundheitlichen Zustand. Hilfe ist vor allem dann sinnvoll, wenn die medizinische Behandlung im Krankenhaus zwar abgeschlossen ist, der Patient aber noch nicht nach Hause kann, weil er allein lebt und keine Angehörigen hat, die sich um ihn kümmern können. Hier hilft dann oft die Kurzzeitpflege. Die Kosten übernimmt bei pflegebedürftigen Patienten zum größten Teil die Pflegekasse.

Seit 2016 haben aber auch Versicherte, die nicht pflegebedürftig sind, bis zu vier Wochen ein Recht auf Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung oder auf eine Haushaltshilfe in häuslicher Umgebung, wenn niemand sie versorgen kann.

Im Entlassungsgespräch bespricht der Arzt mit dem Patienten und eventuell Angehörigen die ausstehende Behandlung und Nachsorge. Er übergibt dem Patienten den Arztbrief, darin sind Gesundheitszustand und Krankheitsverlauf beschrieben. Erwähnt werden darin auch Angaben zur derzeitigen Therapie sowie Empfehlungen für die Weiterbehandlung. Manchmal schickt der Krankenhausarzt den Brief auch direkt an den Hausarzt. Der Patient erhält aber auf Wunsch eine Kopie des Briefs.

Für den Patienten wichtig zu wissen: Wie sieht die weitere Behandlung aus? Wann steht die nächste ärztliche Kontrolle an? Und welche Medikamente muss er einnehmen? Das gilt besonders, wenn Patienten direkt vor dem Wochenende entlassen werden, sie also am Freitagnachmittag keine Chance mehr haben, zu ihrem Haus- oder Facharzt zu gehen. In diesem Fall kann die Klinik den Patienten die kleinste Packungsgröße eines Arzneimittels verschreiben, sodass es mindestens für drei Tage ausreicht.

Aber auch der Patient muss sich kümmern: Erhält er ein Rezept, muss er dieses innerhalb von drei Werktagen, Samstag eingeschlossen, nach seiner Entlassung in der Apotheke einlösen.

Ähnliches gilt für Heilmittelverordnungen wie Ergo- oder Physiotherapie: Die Behandlung muss innerhalb von sieben Tagen begonnen werden. Innerhalb von weiteren zwölf Tagen müssen die Sitzungen aus der Verordnung der Klinik abgeschlossen sein. Ansonsten verfallen sie.


29.09.2017 09:59:06, Autor: Marco Münster / durchblick-gesundheit Oktober-Dezember 2017