Tattoo-Farben

Nanopartikel in regionalen Lymphknoten nachgewiesen

Tattoos sind „in“, nicht nur bei Fußball-Profis oder Dschungelcamp-Stars. Trotz der bekannten Gefahren, etwa dermatologischer Probleme wie auch schwerwiegender Infektionskrankheiten. Eine aktuelle Studie bestätigt nun, dass winzige Farbstoff-Partikel tief unter die Haut bis in die Lymphknoten gelangen und sich so im Körper verbreiten könnten. Die Studie deutscher und französischer Wissenschaftler ist kürzlich in den „Scientific Reports“ erschienen.

Für Kosmetika gibt es strenge Zulassungsregeln – aber niemand kontrolliert die Qualität von Tattoo-Farben.
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Die Forscher um Dr. Ines Schreiver vom Bundesinstitut für Risikobewertung untersuchten mittels Massenspektrometrie und Röntgenfluoreszenzanalyse Haut und Lymphknoten von vier Spendern mit Tattoos und zwei ohne. Dabei fanden sie Tattoo-Farb-Pigmente in den Lymphknoten sowie erhöhte Werte für Aluminium, Kupfer, Chrom, Eisen und Nickel bei zwei Spendern und erhöhte Titanium-Werte bei allen vier Spendern. Die Lymphknoten hätten die Farben der Tattoos angenommen und Nanopartikel toxischer Tattoo-Pigmente enthalten.

Wie die Farbstoff-Pigmente als Nanopartikel reagieren, ist unklar. Darüber hinaus stellten die Forscher Konformationsänderungen von den Farb-Partikeln benachbarten Biomolekülen festgestellt, die möglicherweise an der Entwicklung kutaner Entzündungen beteiligt seien, so Schreiver und ihre Kollegen. Welche Bedeutung die Ablagerungen von Farbstoffen, die ja nicht selten für ganz andere Zwecke hergestellt worden sind, langfristig für die Gesundheit haben, ist derzeit noch unklar. In weiteren Untersuchungen wollen die Wissenschaftler des Instituts nun für eine umfassende Risikobewertung klären, ob Farbstoff-Pigmente auch in entfernte Organe und Gewebe gelangen.

Laut einem aktuellen Zeit-Beitrag ist „in Deutschland etwa jeder Zehnte tätowiert, von den 16- bis 29-Jährigen fast jeder Vierte“. Die meisten belassen es laut dem Autor nicht bei einem einzigen Tattoo, sondern färbten „sich die Haut auf einer Fläche von etwa der Größe eines DIN-A5-Blattes mit Pigmenten“. Im Gegensatz zu Kosmetika, für die es die strenge Zulassungsregel gebe, kontrolliere niemand systematisch Qualität und Verträglichkeit von Tattoo-Farben. Und: Seit etlichen Jahren schon stehe dieses Problem im Raum, verlässliche Zahlen und Fakten gebe „es aber nur für die akuten, augenscheinlichen Beschwerden“.

21.09.2017 14:24:45, Autor: Dr. med Thomas Kron