Stiftung investiert in Bochumer Uni-Klinik

Neue Therapien gegen Muskelschwund entwickeln

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum verstärkt die Muskelforschung. Eine Stiftung stellt 600.000 Euro zur Verfügung, damit eine neue Professur eingerichtet werden kann. Ausgefüllt wird sie mit Professor Dr. Christoph Clemen, der als ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der seltenen Muskelerkrankungen gilt. Ziel ist es, ursächliche Therapien für Menschen mit seltenen und bislang unheilbaren Muskelkrankheiten zu entwickeln.

Patient Franz Wittkamp mit Prof. Matthias Vorgerd, Siegfried Heimer, Andreas Heimer, Irmgard Heimer und Prof. Christoph Clemen
© Volker Daum/Bergmannsheil

Menschen mit seltenen und bislang unheilbaren Muskelerkrankungen in Zukunft wirksame Therapien anzubieten, dieses Ziel verfolgen die heimer stiftung in Bielefeld und die Neurologische Klinik am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum schon seit vielen Jahren und haben dazu das „Heimer-Institut für Muskelforschung am Bergmannsheil“ gegründet. Jetzt soll die Bochumer Muskelforschung deutlich verstärkt werden. Dazu richtet die heimer stiftung eine Stiftungsprofessur an der Neurologischen Klinik des Bergmannsheil ein. Diese neue Professur füllt Professor Dr. Christoph Clemen aus. Er gilt als ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der seltenen Muskelerkrankungen. Zusammen mit seinem wissenschaftlichen Team soll Clemen neue Therapiekonzepte gegen diese Krankheiten erforschen. Der finanzielle Aufwand, der mit der Einrichtung der Professur in den kommenden fünf Jahren verbunden ist, liegt bei rund 600.000 Euro und wird komplett von der heimer stiftung getragen.

Erforschung von Muskelschwund intensivieren

„Menschen mit seltenen Muskelerkrankungen haben leider keine Lobby“, sagt Siegfried Heimer, der selbst seit seiner Geburt an Muskelschwund leidet und gemeinsam mit seiner Frau Irmgard Heimer die Stiftung vor mehr als zehn Jahren gegründet hat. „Umso wichtiger ist es, durch bürgerschaftliches Engagement professionelle Rahmenbedingungen zu schaffen, um diese Erkrankung irgendwann einmal heilen zu können.“ Und diese Rahmenbedingungen schafft die Stiftung aus Ostwestfalen im mitten Ruhrgebiet. „Hochwertige medizinische Forschung ist sehr kostenaufwändig. Mit dem Heimer Institut und der heimer stiftung im Hintergrund können wir jetzt die notwendige Erforschung von Muskelschwund weiter intensivieren“, freut sich Klinikumsgeschäftsführer Ralf Wenzel. Die heimer stiftung und die Neurologische Klinik des Bergmannsheil, die auch das Muskelzentrum Ruhrgebiet leitet, arbeiten bereits seit vielen Jahren zusammen. Im April 2014 eröffneten sie das „Heimer Institut für Muskelforschung am Bergmannsheil“. Es bündelt unter der Leitung von Professor Dr. Matthias Vorgerd die Forschungsaktivitäten der Neurologischen Klinik zu erblichen und erworbenen Muskelerkrankungen und wird von der heimer stiftung regelmäßig unterstützt, um seine Forschungsvorhaben realisieren zu können. Dazu zählte auch die Finanzierung von Spezialmikroskopen, um Muskelgewebe genauer untersuchen zu können. Durch die Einrichtung der neuen „Stiftungsprofessur für Translationale Myologie“ erweitert das Institut sein Forschungsspektrum. Professor Dr. Christoph Clemen wird dort seine besondere Expertise in den Bereichen Biochemie, Molekularbiologie und Zellbiologie einbringen. Der 41-jährige Wissenschaftler war zuvor lange an der Universität zu Köln tätig. „Professor Clemen ist in der Forschungslandschaft hervorragend vernetzt und bringt einen ganzen Strauß innovativer Ideen mit, um der Muskelschwundforschung am Bergmannsheil ganz neue Perspektiven zu eröffnen“, betont der Direktor der Neurologischen Klinik, Professor Dr. Martin Tegenthoff.

Neuromuskuläre Erkrankungen sind sehr komplex

In Deutschland leiden schätzungsweise rund 100.000 Menschen an einer sogenannten neuromuskulären Erkrankung, die sich meist in Muskelschwund oder Muskelschwäche äußert. Die Symptome reichen von leichten bis schweren Bewegungseinschränkungen bis hin zu Atemaussetzern oder Herzschwäche. Viele Patienten sind im Verlauf ihrer Erkrankung auf einen Rollstuhl angewiesen oder sterben früh. Häufig sind die Erkrankungen genetisch bedingt. Mittlerweile konnte eine Vielzahl verschiedener Gene als Ursachen neuromuskulärer Störungen identifiziert werden. Erst im März dieses Jahres hatte das Team um Professor Dr. Matthias Vorgerd zusammen Forschern des Instituts für Physiologie der Ruhr-Universität Bochum eine neue seltene Muskelkrankheit entdeckt, für die ein Defekt im Gen BICD2 ursächlich ist. Die Betroffenen leiden an Muskelschwäche in den Beinen, einem unsicheren Gang und der ständigen Gefahr zu stolpern. Im Muskelzentrum am Bergmannsheil werden derzeit jährlich rund 1.200 Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen versorgt. Im angeschlossenen Heimer Institut für Muskelforschung werden pro Jahr rund 200 Muskel- und Nervenbiopsien ausgewertet und die Ergebnisse für Forschungsarbeiten aufbereitet.

12.09.2017 09:25:58, Autor: Aus Bochum für den änd: Thomas Schwarz