Vergleich mit Naproxen und Celecoxib

Signifikanter Blutdruck-Anstieg unter Ibuprofen

Erhalten Patienten mit Arthrose oder rheumatoider Arthritis Ibuprofen, steigt – verglichen mit anderen Schmerzmitteln – ihr Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Dies zeigt nun eine Studie, die beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in Barcelona vorgestellt worden ist.

Ibuprofen ist „eindeutig nicht so sicher wie früher gedacht“, sagt Studienleiter Ruschitzka.
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Von den nichtsteroidalen Entzündungshemmern wie Ibuprofen und Naproxen sowie den Cox-2-Hemmern ist seit mehreren Jahren bekannt, dass sie Nebenwirkungen wie erhöhten Blutdruck verursachen können. Nun zeigt eine aktuelle Studie, dass Ibuprofen sich deutlich ungünstiger auswirkt als Naproxen und Celecoxib.

An der Studie nahmen insgesamt 444 US-Patienten teil, 408 litten unter Arthrose, 36 unter rheumatoider Arthritis. Alle Patienten hatten Erkrankungen der Herzkranzgefässe oder ein erhöhtes Risiko dafür. Ein Drittel der Patienten erhielt Celecoxib (2x 100-200 mg täglich), je ein Drittel Ibuprofen (3x 600-800 mg täglich) oder Naproxen (2x 375-500 mg täglich). Nach vier Monaten wurde der Blutdruck mit demjenigen zu Beginn der Studie verglichen.

Während Celecoxib den Blutdruck im Schnitt um 0,3 mmHg senkte, stieg er mit Ibuprofen um 3,7 und mit Naproxen um 1,6 mmHg. Eine weitere Analyse ergab, dass von den Patienten mit zu Beginn normalem Blutdruck, die Ibuprofen erhielten, 23,2 Prozent einen Bluthochdruck entwickelten. In der Naproxen-Gruppe betrug dieser Anteiprozent. l 19 Prozent, in der Celecoxib-Gruppe 10,3 Prozent.

Ibuprofen „eindeutig nicht so sicher wie früher gedacht“

„Der Blutdruckanstieg unter Ibuprofen ist signifikant“, sagt Professor Frank Ruschitzka, Leiter der Studie und stellvertretender Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitären Herzzentrum Zürich. Ibuprofen sei „eindeutig nicht so sicher wie früher gedacht“. Gerade für ältere Patienten, die häufig unter Arthrose und hohem Blutdruck litten, seien die Ergebnisse von großer klinischer Bedeutung, führt Ruschitzka aus: „Eine Senkung des Blutdrucks um nur zwei mmHg verringert das Infarktrisiko um zehn Prozent und das Mortalitätsrisiko bei koronarer Herzkrankheit um sieben Prozent.“

Die nun durchgeführte Studie PRECISION-ABPM ist eine viermonatige Substudie der von Pfizer finanzierten PRECISION-Studie. Diese konnte bereits zeigen, dass Celecoxib das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht stärker erhöht als Naproxen und Ibuprofen.

Dass NSAR mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen einhergehen, hat neben mehreren anderen Studien erst kürzlich auch eine dänische Fall-Kontroll-Studie ergeben („European Heart Journal - Cardiovascular Pharmacotherapy“). Nach Angaben der Autoren ist nach den Studien-Resultaten das Risiko für einen Herzstillstand besonders bei Diclofenac erhöht; auf diesen Wirkstoff sollte nicht nur, aber vor allem bei Herzkranken verzichtet werden; bei Ibuprofen sollte die Tages-Dosis 1200 Milligramm nicht überschreiten, so die Autoren um den dänischen Kardiologen Professor Gunnar H. Gislason (Universität Kopenhagen).

Das Team um Gislason analysierte Daten des dänischen Registers zu Herzstillständen. Berücksichtigt wurden Patienten, die zwischen 2001 und 2011 einen Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses erlitten hatten, sowie Verordnungen von Diclofenac, Naproxen, Ibuprofen, Rofecoxib und Celecoxib in einem Zeitraum von 30 Tagen vor dem Herzstillstand.

Knapp 29.000 Menschen hatten in dem Zeitraum von zehn Jahren einen Herzstillstand erlitten. 3376 von ihnen hatten in den 30 Tagen zuvor NSAR erhalten, zumeist Ibuprofen (51 Prozent) und Diclofenac (22 Prozent). Statistische Berechnungen ergaben für NSAR ein um 31 Prozent erhöhtes Risiko für einen Herzstillstand. Als besonders hoch erwies sich mit 50 Prozent die Risiko-Zunahme beim Diclofenac (Ibuprofen 31 Prozent). Für Naproxen, Celecoxib und Rofecoxib konnte kein erhöhtes Risiko ermittelt werden.

Nicht-steroidale Antirheumatika auch für Nieren ein Risiko

Nicht-steroidale Antirheumatika sind allerdings nicht allein für das Herz ein mögliches Problem, sondern bekanntlich auch für die Nieren, worauf die Fachgesellschaft der Nephrologen schon häufiger hingewiesen hat. Vor allem bei bestimmten „Risiko-Patienten“ könne der unbedachte, dauerhafte Einsatz von freiverkäuflichen nicht-steroidalen Antirheumatika die Nieren schädigen. Faktoren, die das Risiko eines renalen Analgetika-Schadens deutlich erhöhen, sind laut der Fachgesellschaft:

• bereits bestehende Nierenschäden

• Nierenfunktionseinschränkungen, wie sie auch physiologischerweise bei älteren Menschen auftreten.

• Diabetes mellitus

• Hypertonie

• Gefäßerkrankungen oder Herzinsuffizienz

• jahrelange oder hochdosierte NSAR-Therapie.

Die Nephrologen-Fachgesellschaft empfiehlt folgende Schutz-Maßnahmen:

1. Alternativen prüfen! Ist die regelmäßige NSAR-Einnahme wirklich notwendig oder können andere Schmerztherapien in Frage kommen (andere Substanzen, Akkupunktur, TENS/transkutane elektrische Nervenstimulation, physiotherapeutische Maßnahmen)?

2. Viel trinken! Grundsätzlich soll auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden (1,5 l), um die Analgetika-Konzentration, die die Nieren durchströmt, gering zu halten; bei verschiedenen Begleitumständen (wie fortgeschrittenen Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz) muss jedoch gegebenenfalls eine therapeutische Flüssigkeitsrestriktion erfolgen, dann sollte die Trinkmenge individuell vom Nephrologen festgelegt werden.

3. Besser Gels & Cremes statt Tabletten! Bei vielen Patienten kann die lokale Applikation von NSAR als Cremes, Gel oder Spray über die Kühlwirkung hinaus eine wirksame Alternative darstellen, die nicht vergessen werden sollte. Zwar werden auch bei topischer NSAR-Anwendung messbare Substanzspiegel im Blutplasma erreicht, sie liegen jedoch 50- bis 100fach unter denen bei systemischer Gabe. Die Konzentrationen, die im Gelenk bzw. im umgebenen Gewebe (Synovialflüssigkeit) erreicht werden, können bei geeigneten Präparaten dabei sehr wirksam sein.


30.08.2017 11:10:41, Autor: Dr. med. Thomas Kron