PwC-Studie

Künstliche Intelligenz soll Gesundheitswesen revolutionieren

Der großflächige Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin könnte helfen, schwere Krankheiten wesentlich früher zu erkennen, Millionen von Menschen besser zu therapieren – und allein in Europa die prognostizierten Gesundheits- und Folgekosten binnen zehn Jahren um eine dreistellige Milliardensumme zu senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

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„Der Weg dorthin ist schwierig. Denn künstliche Intelligenz funktioniert nur auf Basis riesiger Datenbestände – und die müssen zunächst konsequent aufgebaut werden“, sagt Michael Burkhart, Partner und Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma bei PwC. „Dennoch ist der potenzielle Nutzen von künstlicher Intelligenz so gewaltig, dass es sich ohne Zweifel lohnen wird, diesen Weg zu gehen.“

Die PwC-Studie konzentrierte sich auf drei besonders verbreitete Krankheitsbilder, nämlich Fettleibigkeit bei Kindern, Demenz und Brustkrebs. Erste klinische Studien zeigten nun, dass sich mithilfe künstlicher Intelligenz womöglich schon aus den Gesundheitsdaten von Zweijährigen ablesen lasse, welche Kinder einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind, später an Übergewicht zu leiden. „Diese Erkenntnisse könnten es Ärzten und Eltern ermöglichen, das Problem sehr viel früher anzugehen als das heute der Fall ist“, so Burkhart.

Eine weitere vielversprechende Anwendung von künstlicher Intelligenz liege in der Analyse typischer Risikofaktoren. „Die Hoffnung ist, dass wir dadurch in einigen Jahren sehr viel genauer sagen können, inwieweit Übergewicht im Einzelfall mit dem Lebenswandel, den Ernährungsgewohnheiten oder der genetischen Disposition zu tun hat. Dadurch würden sich die Therapiemöglichkeiten signifikant verbessern.“ Die PwC-Studie komme daher zu dem Schluss, dass sich dank künstlicher Intelligenz die Gesundheitskosten für Übergewicht um grob geschätzt 90 Milliarden Euro innerhalb der nächsten zehn Jahre senken lassen.

Kontroverse KI-Debatte

Die Debatte über die Vor- und Nachteile einer künstlichen Intelligenz hat inzwischen auch die Politik erreicht. Der CDU-Abgeordnete Thomas Jarzombek fordert für Deutschland einen Masterplan für künstliche Intelligenz (KI). Nachdem China angekündigt hat, mittels einer neuen Investitions-Initiative in den kommenden Jahren führend auf diesem wichtigen Gebiet werden zu wollen, müssen die Bundesrepublik und Europa reagieren, sagte der IT-Fachmann und Abgeordnete der „FAZ“. „Wir brauchen in der neuen Legislaturperiode sofort einen Masterplan, in dem Forschung und Wirtschaft zusammenarbeiten.“ Diese Technologie sei „so entscheidend, dass wir sie nicht China überlassen dürfen, wo es ein ganz anderes Menschenbild gibt.“ Jarzombek warnte dabei davor, dass in Deutschland aus ethischen Bedenken nicht abermals eine Zukunftstechnologie verhindert werden dürfe.

Interessant in dem Zusammenhang: Ausgerechnet Tesla-Chef und IT- Visionär Elon Musk hatte kürzlich vor der künstliche Intelligenz gewarnt – und sie als große Gefahr für die Menschheit bezeichnet. „Künstliche Intelligenz ist ein fundamentales Risiko für die Existenz der menschlichen Zivilisation, so, wie es Autounfälle, Flugzeugabstürze, Drogen oder schlechtes Essen nie sein werden“, sagte Musk während einer Sitzung der Nationalen Gouverneursversammlung im US-Bundesstaat Rhode Island. „Ich habe Zugang zur modernsten künstlichen Intelligenz, die es gibt. Und ich glaube, die Leute sollten besorgt darüber sein.“ Künstliche Intelligenz müsse gesetzlich geregelt werden, bevor es zu spät sei. Musk plädierte für eine zügige Regulierung, auch wenn es keinen Spaß mache, reguliert zu werden: „Ich bin gegen Überregulierung.“ Künstliche Intelligenz sei aber einer der Fälle, „wo wir proaktiv regulieren sollten statt reaktiv. Denn wenn wir bei der künstlichen Intelligenz reaktiv handeln, ist es zu spät“, sagte Musk.

25.07.2017 11:39:06, Autor: js