ASS-Sekundärprävention

Plädoyer für Protonenpumpen-Hemmer

Herzgefäß-kranke ältere Patienten, die zur Sekundärprävention kardiovaskulärer Komplikationen ASS einnehmen, sollten Protonenpumpen-Hemmer nehmen, um gastrointestinalen Blutungen vorzubeugen. Dies empfehlen die Autoren einer aktuellen Kohorten-Studie („Lancet“).

Wissenschaftler von der Universität Oxford haben den klinischen Verlauf bei 3.166 Patienten beobachtet, die zur Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse einen Thrombozytenaggregations-Hemmer wie ASS einnahmen.
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Die Autoren um Studienleiter Dr. Peter Rothwell von der Universität Oxford haben den klinischen Verlauf bei 3.166 Patienten beobachtet, die zur Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse einen Thrombozytenaggregations-Hemmer wie ASS einnahmen; rund 50 Prozent der Patienten waren mindestens 75 Jahre alt.

Erwartungsgemäß ergab die Daten-Auswertung, dass das Risiko für schwere Blutungen mit dem Alter stark zunimmt, insbesondere tödliche Blutungen und obere gastrointestinale Blutungen.

So beträgt der Studie zufolge das relative Risiko für schwere Blutungen bei mindestens 75-Jährigen im Vergleich zu jüngeren Patienten 3,1, das Risiko für tödliche Blutungen sogar 5,53. Beim Risiko für schwere obere gastrointestinale Blutungen ergaben die Berechnungen einen Wert von 4,13 (mindestens 75-jährige Patienten versus jüngere).

Zudem zeigte die Studie, dass gastrointestinale Blutungen bei den älteren Patientien häufiger dauerhafte Einschränkungen zur Folge hatten und öfter auch tödlich waren (relatives Risiko 10,26).

Einen möglichen Schutz vor gastrointestinalen Blutungen bieten Protonenpumpen-Hemmer: Laut Rothwell könnten rund 80 Prozent der durch Plättchen-Hemmer verursachten gastrointestinalen Blutungen durch PPI verhindert werden. Der Nutzen steigt dabei mit dem Alter der Patienten. So errechneten die Autoren, dass von den unter 65-Jährigen 338 Patienten fünf Jahre einen PPI erhalten müssen, um eine schwere obere gastrointestinale Blutung zu verhindern; von den mindestens 85-Jährigen müssten hingegen nur 25 einen PPI erhalten. Es gebe zwar einige Hinweise auf Nebenwirkungen einer Langzeit-Therapie mit Protonenpumpen-Hemmern, so Rothwell. Doch die aktuelle Studie zeige, dass ohne PPI das Blutungs-Risiko bei alten Patienten mit ASS hoch sei. Anders formuliert: Das Nutzen-Risiko-Verhältnis spreche für die Therapie mit PPI bei alten Patienten.

Unterstützung erhalten die britischen Autoren von dem deutschen Neurologen Professor Hans-Christoph Diener, der die Publikation im „Lancet“ kommentiert hat. Auch Diener empfiehlt, bei alten Patienten, die Plättchen-Hemmer erhalten, wegen des erhöhten gastrointestinalen Bltungs-Risikos häufiger als bisher PPI zu geben.

Eine zentrale Frage dabei ist allerdings die nach der Dauer der ASS-Therapie zur Sekundär-Prävention bei alten Patienten. Nach Angaben von Professor John Cleland (Imperial College London) gibt es nur für eine Dauer von bis 28 Tagen ausreichende wissenschaftliche Evidenz - und zwar durch die ISIS-2-Studie.

16.06.2017 14:21:10, Autor: Dr. med. Thomas Kron