Kohorten-Studie

Nächtlicher Fluglärm lässt Blutdruck steigen

Lärm nervt, macht Stress und kann krank machen. So geht zum Beispiel nächtlicher Fluglärm mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck einher, bestätigt nun eine Beobachtungsstudie eine Vielzahl anderer Untersuchungen zum Zusammenhang von Lärm und Herzkreislauf-System. Die aktuelle Beobachtungs-Studie ist im Fachmagazin „Occupational & Environmental Medicine“ erschienen.

Durch verkehrslärm-bedingte Schlafstörungen und ischämische Herzkrankheiten etwa gingen allein in den westlichen EU-Staaten jährlich mindestens eine Million Jahre gesunden Lebens verloren, beklagt die WHO.
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Ausgewertet wurden Daten von 420 Erwachsenen, die in der Nähe des internationalen Flughafens von Athen lebten und deren Lärm-Exposition in den Jahren 2004 bis 2006 ermittelt wurde. 2013 wurde bei 17 Prozent der Studienteilnehmer Bluthochdruck diagnostiziert und bei elf Prozent Herzrhythmusstörungen.

Statistische Berechnungen, bei denen relevante Einflussfaktoren berücksichtigt wurden, ergaben laut den Autoren einen signifikanten Zusammenhang zwischen nächtlichem Lärm und Bluthochdruck sowie Arrhythmien. Die Resultate der Studie stimmten im Großen und Ganzen mit den Ergebnissen anderer Studien überein, lautet das Fazit der Autoren um Dr. Konstantina Dimakopoulou (Universität Athen).

Dass nächtlicher Fluglärm gesundheitsschädlich sein kann, haben zum Beispiel vor wenigen Jahren auch Mainzer Wissenschaftler berichtet. So könne nächtlicher Fluglärm die Endothelfunktion beeinträchtigen und den Blutdruck steigern, so die Forscher im Fachblatt „Clinical Research Cardiology“.

Ausführlich dargestellt hat den Zusammenhang 2013 auch ein internationales Wissenschaftlerteam in einem Übersichtsbeitrag im „Lancet“. Schon vor über 100 Jahren prophezeite übrigens Robert Koch: „Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen wie die Cholera und die Pest.“

Laut WHO ist Lärm eine der wichtigsten krank machenden Umweltfaktoren. Durch verkehrslärm-bedingte Schlafstörungen und ischämische Herzkrankheiten etwa gingen allein in den westlichen EU-Staaten jährlich mindestens eine Million Jahre gesunden Lebens verloren, klagt die WHO. Von Hörschäden durch Lärm seien weltweit mehr als eine Milliarde Menschen betroffen.

Ein Wissenschaftlerteam um Dr. Boris Gourévitch (Centre de Neurosciences Paris-Sud) und Prof. Jos J. Eggermont von der Universität von Calgary befürchtet sogar, dass selbst Umgebungslärm, der bislang als sicher für das Hörorgan gilt, mit der Zeit zu Hörschäden führen könnte („Nature Reviews Neuroscience“). Mit angeblich sicher meinen die Neurowissenschaftler Schalldruck-Werte von unter 80 dB(A), wie sie zum Beispiel in einem Großraumbüro mit ständig klingelnden Telefonen und viel „Geschnatter“ erreicht werden können.

Weitere Informationen

M. Basner u.a.: Auditory and non-auditory effects of noise on health

In: „The Lancet


15.06.2017 14:36:16, Autor: Dr. med. Thomas Kron